Transmediale 12: „in/compatible“
Während sein Vorgänger Stephen Kovats versuchte, die Ergebnisse des Berliner Festivals in die Welt hinauszutragen, geht der Medienforscher und Kulturproduzent Kristoffer Gansing aus Schweden den umgekehrten Weg. Er holt alle Akteure nach Berlin, bietet den interessantesten aktiven Netzwerken, die er draussen in der Welt finden kann, einen Platz auf dem Diskurs-Planeten transmediale an und liefert das Thema gleich dazu: „in/compatible“ lautet es 2012.
Digitalisten scheinen nicht mehr nach größtmöglicher Konvergenz und Vernetzung zu streben. Die transmediale 2012 plädiert dafür, die inkompatiblen, unperfekten Aspekte der Technik zu fokussieren. Wirklichkeit sind sie sowieso. Programme stürzen ab, Computer infizieren sich mit Viren, Daten werden missbraucht. Warum also nicht nach dem Potenzial der Unvollkommenheit fragen?
Die Netzkulturen der letzten Jahre waren erschreckend kompatibel mit der kapitalistischen Verwertungslogik und Machtmechanismen, mit Kontrolle, Konsens und Standardisierung. Gemessen an der anfänglichen Euphorie und der Vorstellung von Freiheit, Gleichheit, Teilhabe, die man in den 90er-Jahren von der beginnenden Vernetzung hatte, ist die dazugehörige Technik kolossal gescheitert. Die transmediale macht den Vorschlag, nicht nur in Extremen wie Kompatibilität und Inkompatibilität zu denken, sondern sich dem unbestimmten Dazwischen zu widmen. Wenn die vernetzten Technologien weder kompatibel noch inkompatibel sind – eben in/compatible – werden sie für die Gesellschaft vielleicht wieder produktiv.
Wie das in/kompatible Denken und Handeln funktioniert und wie man damit Gesellschaft und Politik verändern kann, analysieren Wissenschaftler, Hacker, Aktivisten und Medienarchäologen in einem hochkarätig besetzten Symposium. In Performances, Workshops, einer Ausstellung, einem Videoprogramm und auf der neuen Plattform „reSource for transmedial culture“ kommen zwiespältige Gefühle gegenüber der Technik zum Ausdruck. Hacks und Aktionen beginnen, und zugleich führt der Blick, als Hommage an das 25-jährige Bestehen der transmediale, immer wieder in die Vergangenheit. Von der Schreibmaschine bis zum Overhead-Projektor tauchen auffällig viele analoge, veraltete Technologien auf. Nicht aus nostalgischen Gründen, sondern weil es im in/kompatiblen Zustand auch die Hierarchie zwischen Alt und Neu nicht mehr gilt.
Trotz ihres kritischen Tons ist die transmediale 2012 auch eine Hommage an die Geschichte der Technik. Skepsis herrschte immer, auch gegenüber der transmediale, die 1988 als VideoFilmFest startete, rasch Computerkunst ins Programm nahm, sich immer breiter aufstellte, ohne den Vorwurf, nerdiges Bits-und-Bytes-Experten-Event zu sein, je ganz abzustreifen. Konvergent mit dem Mainstream will das Event wohl auch jetzt nicht werden.
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