Vor genau vier Jahren erschien „Frühling und so“, ein tagebuchartiger Einblick in das Leben einer Kreuzberger Schülerin und der Erstlingsroman der damals 18-jährigen Rebecca Martin. Die Autorin wurde durch Talkshows gereicht und das Buch ein Bestseller. Das lag wohl nicht zuletzt daran, dass darin sehr viel Sex vorkam – auch wenn es kein sonderlich lustvoller Sex war, sondern einer der verzweifelt sinnsuchenden Art.
Um Sinnsuche geht es auch in dem Nachfolger „Und alle so yeah“. Ähnlich wie bei ihrem Debüt teilt Rebecca Martin die Lebensumstände ihrer Protagonisten. Der Rest ist – wie sie schon in Interviews zum Debüt betonen musste – erfunden oder von Erfahrungen ihrer Freunde inspiriert.
Ihre Ich-Erzählerin Elina steckt in einem Teufelskreis. Dank ihres Romanerfolgs hat sie viele Möglichkeiten und deutlich mehr Geld auf dem Konto als die durchschnittliche Schulabgängerin. Und steht vor diesen Möglichkeiten wie das Kaninchen vor der Schlange. Um es mit ihren Worten zu sagen: „Kann mir mal jemand erklären, wie man auf sein Herz hören soll, wenn das Herz eisern schweigt.“
Elina weiß, dass es sich bei ihrer Weichenstellungsangst um ein Luxusproblem handelt, und das macht die Sache für sie nicht leichter. Sie vertrödelt die Tage, ignoriert, dass draußen Sommer ist und betrinkt sich abends in der Bar, in der ihr Mitbewohner Tim jobbt. Halbherzig bändelt sie mit ihm an und schaut mit etwas mehr als rein geschwis­terlicher Bewunderung auf ihren Bruder Jasper, der scheinbar alles richtig macht. Und weil es mit Tim doch nicht so läuft, wie sie es sich uneingestanden gewünscht hat, überredet sie ihren Bruder zu einem Road-Trip zu Onkels Hochzeit, quer durch Deutschland, hinein in ein Schweizer Idyll.
Rebecca Martin übrigens lebt mittlerweile in Hamburg, wo sie eine Ausbildung zur Werbetexterin macht. Im Anschluss will sie studieren. Allzu viel Autobiografisches darf man in ihre Bücher also nicht hineinlesen – auch wenn sie nah dran ist an der Lebenswirklichkeit vieler Altersgenossen.
  Stephanie Grimm