Kritik
Im März 1996 wurden sieben französische Mönche, die in einem Kloster in einer abgelegenen Bergregion Algeriens lebten, entführt. Wenig später fand man das, was von ihnen übrig war: ihre Köpfe. Der algerische Staat beschuldigte die radikale islamische Gruppe GIA (Groupe Islamique Armé) der Tat, doch wer wirklich hinter den Morden stand, ist bis heute nicht endgültig geklärt.
An diesen Fakten entlang bewegt sich der in Cannes ausgezeichnete Film von Xavier Beauvois  – ohne den Versuch, eine Antwort auf die Täterfrage zu geben. In kontemplativer Ruhe, die das bedächtige Leben und Wesen der Mönche spiegelt, schildert Beauvois den Alltag im Kloster, das Zusammenleben mit der muslimischen Dorfgemeinschaft, in das nach und nach die Bedrohung durch den Terror einsickert. Dass die sich nicht ausschließlich durch die Mitglieder der GIA zeigt, sondern auch durch reguläre algerische Streitkräfte, deutet der Film subtil an. Die Mönche, besonders Christian (Lambert Wilson), der Vorsteher des Klosters, und der Arzt Luc (Michael Lonsdale), begegnen allen Bedrohungen und Versuchen, sie einzuschüchtern und zum Gehen zu bewegen mit der gleichen, würdevollen Ablehnung. Diese im besten Sinne christliche Haltung zeigt sich auch in der konsequenten Gleichsetzung von hilfsbedürftigen Dorfbewohnern und verletzten Mitgliedern der GIA. Und sie wird schließlich zum Knackpunkt der ethischen Diskussion zwischen den Mönchen, die auch die Essenz des Films darstellt: Wie weit soll man seinen Glauben treiben? Soll oder muss man gar, besonders in Situationen höchster Bedrohung, konsequent bleiben und sein eigenes Leben aufs Spiel setzen? Und wie nah ist so ein Verhalten, dass von außen leicht fatalistisch und selbstmörderisch wirken kann, am religiösen Fanatismus?
Antworten auf diese Fragen gibt Beauvois nicht. Unspektakulär schildert er, wie die Bedrohung der Mönche immer greifbarer wird, wie der Druck wächst, das Kloster aufzugeben und die Dorfbevölkerung sich selbst zu überlassen. Anfangs zweifeln manche der Mönche, ob sie bereit sind, für ihren Glauben ihr Leben zu riskieren. Nach und nach aber setzt sich die Erkenntnis durch, wie wichtig es ist, sich gegen Fanatismus jeglicher Art zu stellen. Wie Beauvois diesen Weg zur Erkenntnis schildert, ohne dabei einen unreflektiert religiösen Film gedreht zu haben, zeugt von seiner außerordentlichen Qualität.

„Des hommes et des dieux“, F 2009, 120 min, R: Xavier Beauvois,
D: Lambert Wilson, Michael Lonsdale, Kinostart: 16.12.