OPEN-AIR-THEATER - Der Sommer kommt - und daher wird auch die Open Air Saison in dem Berliner Pionierunternehmen in Sachen Draußenbespielung eröffnet. Dieses Mal ist Shakespeares Liebesverwirrungsklassiker "Was ihr wollt" an der Reihe. Der hat auch einen Genderverwechslungsmodus eingebaut: Bruder ist Schwester und umgekehrt und löst damit schier unterschiedliche Begierden aus. Für alle zwischen Pubertät, Coming Out und zweitem bis sechsten Frühling. Auch im Sommer. Eintritt 12 Euro.

zitty-Kritik 14/2012
Die Musik dräut bitter-süßlich, während Graf Dracula die schiffbrüchige Viola mit gichtigen Fingern an den Strand Illyriens legt. Willkommen im Reich der Untoten. Die Geschichte beginnt bei William Shakes­peare zwar mit etwas anderem ­Personal. Macht aber nichts. Schließlich heißt das Stück im Original „The Twelfth Night“ – nach jener Nacht, in der der Karneval beginnt. Und zu dieser Jahreszeit kann jeder seine Identität nach Belieben wechseln, da stimmt der Auftakt also punktgenau. Den Rest besorgt der elisabethanische Meister dann sowieso selbst.
Bei all der Verwirrung der Geschlechter und Rollen weiß zwischendurch gar keiner mehr, woran er oder sie eigentlich ist. Regisseur Jan Zimmermann bleibt erst einmal seiner anfänglichen Idee vom Geis­terhaus treu. Sowohl die Welt der schönen Olivia als auch Herzog Orsinos Palast sind Orte düsterer Befindlichkeiten. Die sinister-komische Stimmung passt ganz wunderbar zur langsam hereinbrechenden Abenddämmerung über der Hexenkessel-Arena. Erst nach der Pause siegt dann die Leichtigkeit. Aber wie! Wenn Carsta Zimmermann sich als tumber Sir Andrew in einem fast zehnminütigen Slapstick immer wieder in ihrem eigenen Degen verheddert, ist das allerhöchste Komödienkunst. Auch alle anderen Schauspieler legen eine Punktlandung zwischen Deftigkeit und den Feinheiten der shakespearschen Sprache hin. So schön kann Sommertheater sein.

Bis 1.9., Di-Sa, 21.30 Uhr, Amphitheater im Monbijoupark, Regie: Jan Zimmermann; mit Ina Gercke, Vlad Chiriac, Rebecca Köbernick; Eintritt 12-18 Euro