Kunst

„Wasak!“ zeigt Bilder aus einem katholischen Asien

Galerist Matthias Arndt hat Kunst von den Philippinen nach Berlin geschickt, darunter viele Arbeiten von Malerinnen und einen Beitrag zum Beruf Künstler in Manila

Seine guten Kontakte nach Südostasien ­haben schon viele kosmopolitische Ausstellungen in seine Stammgalerie an der Potsdamer Straße ermöglicht. Zum Beispiel „Sip!“ mit Gegenwartskunst aus Indonesien 2013, kurz nachdem Matthias Arndt Ernst gemacht hatte mit seinem Umzug nach Singapur. Jetzt hat er von dort eine neue große Schau nach Berlin geschickt: „Wasak!“ mit Kunst aus den Philippinen, von 19 Künstlern und Künstlerinnen, zusammengestellt von den Kuratoren Norman Crisologo und Erwin Romulo. „Wasak!“, was in etwa „in Ruinen“ heißen soll, findet an zwei Orten statt: der Großteil der Arbeiten steht an der Potsdamer Straße, der kleinere hängt in Arndts Charlottenburger Filiale.
Der Besucher beginnt besser mit dem kleinen Teil. Die meist großen Gemälde jüngerer Künstler spiegeln die starke Präsenz von Malerei und Realismus in der philippinischen Gegenwartskunst. Vor allem fallen die Beiträge der Künstlerinnen auf. So wecken Marina Cruz naturalistische Gemälde von zusammengefalteter Mädchenkleidung und Bettwäsche mit Gebrauchspuren Assoziationen von Gewalt. Und ein Bild von Nona Garcia zeigt vor einem zersiedelten Hügel ein Tor mit aufgemaltem Bergidyll: Ihr Gemälde reflektiert soziale Veränderungen und Kunstgeschichte zugleich.

Spanisches Erbe: "Mestiza (2)", 2015, Öl auf Leinwand von Norberto Roldan in der Galerie Arndt, Postdamer Straße Foto: Bernd Borchardt
Spanisches Erbe: „Mestiza (2)“, 2015, Öl auf Leinwand von Norberto Roldan in der Galerie Arndt, Postdamer Straße. Foto: Bernd Borchardt

Manilas Madonnen

Länderbezogene Ausstellungen ernten schnell Kritik: weil sie transnationale Tendenzen ausblenden und die Kunst eines Landes unter griffige Label und Klischees fassen. Dennoch haben sie ihre Berechtigung, lassen sie doch Arbeitsbedingungen der Künstler und staatenspezifische Themen deutlich erkennen. Das gilt auch für den größeren Teil von „Wasak!“ in der Potsdamer Straße. In der Auswahl von Gemälden, Plastiken, Skulpturen, Assemblagen und Zeichnungen verdichten sich Sujets wie Umweltkatastrophen, politisch motivierte Gewalt, Armut, Katholizismus und die Suche nach postkolonialen Identitäten. – in einer Vielfalt von Materialien, die von einer übermalten Madonna aus Holz bis zu Heftklammern reicht. Und nicht zuletzt ist hier der Beruf des Künstlers Thema.

In Buen Calubayans mehrteiliger Wand­arbeit hängt ein langes Papier, auf dem der 35-jährige Künstler aus Manila Schwerpunkte seiner künstlerischen Arbeit seinen Brotjobs und Lebenseinschnitten wie seiner Hochzeit gegenüberstellt. Der Beitrag dient als Schlüssel zu einer Schau, die die Perspektive des Besuchers verändern kann wie eine Weltkarte, in deren Zentrum nicht ­Europa, sondern der Pazifik liegt.Und weil das etwas Zeit benötigt, empfiehlt sich dieser Ausstellungsteil an zweiter Stelle des Besuchs. CLAUDIA WAHJUDI


Bis 30.1.: Galerie Arndt, Potsdamer Str. 96, Di–Sa 11–18 Uhr; Arndt Art Agency, Fasanenstr. 28, Charlottenburg, Mi–Sa 12–18 Uhr

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