Kennen Sie diese Irgendwann-habe-ich-mein-eigenes-Café-Träumer? Es ist ihr Hobby, durch die Stadt zu laufen und nach „Zu Vermieten“-Schildern zu suchen – nur um das mal gedanklich durchzuspielen. Es ist ihr Lebensziel, irgendwann mal „was Eigenes“ zu haben. Ihr Blick hat manchmal etwas weltvergessenes. In diesen Momenten stellen sie sich gerade vor, wie es wäre, wenn. Wie es wäre, wenn sie morgens zu ihrem Café schlendern, die Rolladen hochziehen, die Stühle von den Tischen nehmen, die Kaffeemaschine anwerfen, sich mit der Zeitung in die Sonne setzen und auf den ersten Gast warten könnten. Lästig, diese Träumer.

Ich bin einer davon. Denn es gibt etwas, an das kommt der Journalismus nicht heran: das Milchaufschäumen. Während meines Studiums habe ich gekellnert. Und ich habe Milch aufgeschäumt, manchmal zehn Stunden am Stück. Diese Verwandlung der Materie – kalte Milch+heißer Dampf=warmer Schaum, Wahnsinn! Diese Steigerung vom leisen Zischen, unten im Milchtopf, zum lauten Fauchen, wenn die Düse an der Oberfläche ihr Werk vollendet.Wir haben uns gegenseitig übertroffen: Wer macht den schaumigsten Schaum, wer macht die tollste Schichtenabstufung im Latte Macchiato? Mein Gott, war ich glücklich.

Unzählige Berliner würden gerne mal ein eigenes Café aufmachen oder einen Laden oder eine Heilpraktikerpraxis. Und sie alle hängen einem „Was wäre wenn“-Gedanken nach. Wir haben uns gefragt: Wie ergeht es Menschen, die es tatsächlich wagen? Die mitten im Leben noch mal neu anfangen, alles anders machen – aus der Chefetage auf den Reiterhof, aus dem Büro in die Backstube? Und wir haben fünf Berliner gefunden, die Mut machen, mit dem Träumen aufzuhören und einfach loszulegen (Seite 14)!

Eine andere Erkenntnis bei der Arbeit an dieser Ausgabe: Milchschaum ist absolut out, total daneben, sowas von 2011. Berlin trinkt jetzt Filterkaffee (Seite 38). Ich bleibe vorerst Journalistin.


Redakteure, die ihr Leben lang Redakteur bleiben wollen     7


Was wird in den nächsten zwei Wochen passieren? Einiges davon steht in diesem Heft. Alles andere müssen Sie schon selbst erleben. So wie wir.