Wie hab’ ich das vermisst: unsere Redaktionskonferenzen! Da werden große Geschichten geboren, kleine begraben. Und Themen wie Sünder durch ein Spalier aus Redakteuren getrieben, die Argumente wie Spießruten führen, so dass nur die großen, starken, nicht totzukriegenden Ideen übrig bleiben. Letzten Montag war es dann wieder soweit. Der Boden war bereits übersät mit Storyleichen: Ein Interview mit Helge Schneider lag zerschmettert zwischen den Stühlen, ein Ortstermin bei der Berliner AK röchelte sein Leben aus und „Die besten Orte zum Brunchen“ erstickten an ihrem eigenen Blut.

Da stellte die Berlin-Redaktion ihre Favoriten vor: ein Porträt der jungen Schickeria aus dem alten Westen und Live-Action-Rollenspieler. „Rollenspieler?“, wetzte ein Kultur­redakteur die Messer, „schießen die nicht mit Farbkügelchen aufeinander?“ „Das ist Paintball“, antwortete der betreuende Redakteur. „Rollenspieler haben Bannsprüche und Holzschwerter.“ Damit war die Geschichte gekauft. Leichtes Spiel hatte auch die neue Schickeria aus Charlottenburg, setzen wir doch damit nach „Die Kinder vom ­Alexanderplatz“ und „Popmuslime“ unsere lose Jugendserie fort. Außerdem lieben es unsere Redakteure, „den Menschen in den Kopf hinein zu schauen“, wie es mal einer genannt hatte.

Das mit dem in-den-Kopf-hineinschauen war dann auch recht erhellend: zum ­Beispiel die Sache mit der Kunst. Die Jungs aus unserer Geschichte sind ganz verrückt danach: Eleganz, Hedonismus, Kippenberger! Deshalb ihr Lebenstraum: Galerist! Hätte ich jetzt nicht erwartet. Aber so ist die zitty: Wundertüte! Mit dieser Ausgabe sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Wir haben nämlich ein Gimmick beigelegt. Wie die „Yps“ früher. Bei ihr gab’s mal lebende Urzeitkrebse, mal die 007-Grundausstattung exklusive Feuerwaffe. Nun, die Zeiten haben sich geändert. „Yps“ will jetzt Erwachsene ansprechen. Während unser Gimmick, folgt man der Titelgeschichte, besonders den jungen und jungebliebenen Lesern gefallen wird: ein Kunstplaner für die Highlights der Saison, zweisprachig und mit Kartenmaterial, natürlich exklusive Feuerwaffe.

 

Höchste Spesenabrechnug in der Geschichte der zitty    450 Euro

 

Was wird in den nächsten zwei Wochen passieren? Einiges davon steht in diesem Heft. Alles andere müssen Sie schon selbst erleben. So wie wir.