Damals im LSD-Viertel. Wir, die Bewohner, Besetzer und Parkleichen des Helmholtzplatzkiezes glaubten allen Ernstes: Sollen sie doch kommen und den Kollwitzplatz sanieren. Hier – jenseits der Dimitroffstraße (heute Danziger Straße), wo Lychener-, Schliemann- und Dunckerstraße von Ruinen gesäumten, von Hundehaufen belegten und von Torkelnden verstellten Transit zum Helmholtzplatz bilden – hier wird sich noch jeder Investor die Zähne ausbeißen! Wir bleiben – für immer! Damals hätten wir im Traum nicht daran gedacht, dass sich unsere Nachbarschaft in einen „lebendigen Szenekiez mit gepflegter Erscheinung und sehr guter Mieterstruktur – die perfekte Kapitalanlage“ (www.immowelt.de 2012) verwandeln würde.

Heute ist unser Kiez verloren. Zumindest für alle, die auf der Suche nach bezahlbaren Mietwohnungen sind. Die Ruinen sind luxussaniert, die Hunde reinrassig, und der Helmholtzplatz mit EU-Geldern von seinem kontaminierten Grund und den Dealern darauf befreit. Und die Freunde von damals sind weitergezogen: „Weil hier nur noch Idioten wohnen“. Schönen Dank auch.

Letzten Samstag zog dann eine „Krachdemo“ durch mein Viertel. „Wir bleiben alle!“, war auf den Plakaten zu lesen. Ich kam gerade vorbei, mit Kinderwagen und Limonade und, klar: „Herr Bionadebiedermeier gibt sich die Ehre“, höre ich einen sagen. Was ja irgendwie auch stimmt. Trotzdem: „Na, wärt ihr doch alle mal geblieben“, gab ich zurück, „dann wäre der Kiez noch bezahlbar. Aber nein, immer schön der Freundin, der Lieblingsbar, dem nächsten Club hinterherziehen und nicht daran denken, dass bei jeder Neuvermietung die Miete hochgesetzt wird.“ Zwei Demonstranten hielten mit ihrem Krach inne. Also Schlussplädoyer: „Ein bisschen mehr Konstanz, meine Herren! Dann wäre auch mein Kiez noch bezahlbar!“ Was ich mir definitiv hätte sparen können. Weil: „Wer will denn schon hier wohnen“, sagte der Demonstrant mit Trillerpfeife, „hier wohnen doch nur Idioten.“ Schönen Dank auch hier. Und einen Rat: Wenn Sie eine bezahlbare Wohnung in einem Kiez finden, der sich seine Bedeutungslosigkeit bewahrt hat, bleiben Sie da. Suchen Sie nicht nach etwas Besserem, sondern machen Sie Ihren Kiez besser. Sonst wohnen da irgendwann nur noch Idioten.

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Was wird in den nächsten zwei Wochen passieren? Einiges davon steht in diesem Heft. Alles andere müssen Sie schon selbst erleben. So wie wir.
Kai Röger