„Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder, das ist zu schön, um wahr zu sein“, sang Zarah Leander 1932, drei Jahre nach Beginn der Weltwirtschaftskrise. Ob sie dabei wehmütig an die rauschenden Feste der Goldenen Zwanziger zurückdachte? An die Zeit, als in den Berliner Bars und Ballhäusern der Absinth floss, die Frauen ihre Bubiköpfe schüttelten und die Männer beim Anblick der Burlesque-Tänzerinnen rote Wangen bekamen?

Dann hätte sie ruhig mehr Optimismus wagen können. Denn könnte Zarah heute im Kater Holzig den Lindy Hop tanzen oder sich für die Partyreihe Bohème Sauvage in Schale schmeißen, würde sie schnell feststellen: Das kommt wieder. Ein Trend, der vor wenigen Jahren begann, greift sich immer mehr Raum in Nachtleben, Gastronomie und Mode der Stadt: das 20er-Revival. Je mehr von Krisen, Schulden und dem Ende des Kapitalismus zu hören ist, desto mehr steigt die Lust auf Glamour, Popanz, Feiern ohne Reue. Vielleicht ist die Zigarettenspitze dabei auch mal aus Plastik statt aus Elfenbein, das Kleid nicht Vintage, sondern von H&M, Improvisation muss sein. Aber immer zu spüren ist das Lebensgefühl der Goldenen 20er – der Tanz auf dem Vulkan, das Komme-was-da-wolle, das Paul Godwin 1928 mit „Noch ‘ne Lage Cognac her“ besang:  

„Noch ‘ne Lage Cognac her!
Heute ist mir alles ganz egal!
Noch ‘ne Lage Cognac her,
Kinder, denn wir leben nur einmal.
Seid lustig, ihr Leute,
denn heute ist heute.
Und geht ihr auch pleite –
wenn’s heut’ nicht ist, wird’ s morgen sein.
Drum: noch ‘ne Lage Cognac her,
bis die Flaschen und die Taschen leer!
Zum Wohl!“



Redakteure, die Swing tanzen können     2


Was wird in den nächsten zwei Wochen passieren? Einiges davon steht in diesem Heft. Alles andere müssen Sie schon selbst erleben. So wie wir.