Entspannung: Yoga für Schwangere
Anfangs war mir etwas mulmig zumute, ich bin seit über zwei Jahren in keiner Yogastunde mehr gewesen, und seit Beginn meiner zweiten Schwangerschaft komme ich schon beim Treppensteigen ins Keuchen. In diesem Kreuzberger Hinterhaus, in dem Kundalini Yoga für Schwangere angeboten wird, sind die Bedenken bald verflogen. Warm und wohnlich wirkt der Raum mit Holzboden, Kerzen und Kissen. Wir sitzen auf Fellen im Halbkreis und erzählen, wie es uns geht. Wer schon eine Geburt hinter sich hat, diskutiert, welche Yogatechnik im schlimmsten Wehenstress am besten hilft: tiefes Atmen oder doch lieber kräftiges Tönen?
„Wichtig ist zu spüren, was uns gerade besonders gut tut“, sagt die Yogalehrerin. Und das wollen wir hier lernen. Wir singen Mantren, tönen „Om“, meditieren und gießen uns immer wieder Tee nach. Es folgen Hüftkreise auf allen Vieren, Schulterkreise im Fersensitz, minutenlang strecken wir die Arme in die Luft und atmen dabei tief weiter. Meine Arme fühlen sich an, als hätte jemand Bleigewichte daran gehängt, alles andere macht mein ungeübter Körper klaglos mit. Beschwingt gehe ich nach Hause mit dem Gefühl, heute sehr gut zu mir gewesen zu sein. Doch bald melden meine unterbeschäftigten Muskeln Bedenken an: Ein bisschen mehr könnte man sie ruhig fordern.
Also versuche ich es mit einer anderen Variante. Bei „Yogawave“ setzt man auf das zeitgenössische „Spirit Yoga“, das – anders als der Name vermuten lässt – vor allem auf das körperliche Wohl abzielt. Zarte indische Klänge wehen durch den weiß-violett dekorierten Raum. Doch wer denkt, hier geht es besonders sanft zu, liegt falsch. „Für die Geburt ist es wichtig, dass ihr Kraft habt“, leitet die Yogalehrerin die Stunde ein. Nach wenigen Übungen im Sitzen geht es in den Stand. Ein Bein vor, eins zurück, beide Beine beugen, vor und zurückwippen, Beine zur Seite ausdrehen, wieder beugen, und nie das tiefe Ein- und Ausatmen vergessen. Ich muss mich konzentrieren, um mitzukommen. Und bin mir mehr denn je bewusst, dass ich Oberschenkel besitze. Nach einer Stunde habe ich die Abschlussentspannung dringend nötig. Und die hat ihren Namen verdient. Sanft werden wir in die richtige Position gebettet, Hochschwangere legen sich auf die Seite statt auf den Rücken, damit das Gewicht des Babys nicht die Hohlvene einquetscht, was zu Schwindel und Kopfschmerzen führen kann. Während ich mich immer tiefer in den Boden sinken lasse, streichen wohlriechende Hände im Atemrhythmus über meinen Kopf und meine Schlüsselbeine. Als ich die Augen wieder öffne, fühle ich mich fit und ausgeglichen wie nach einem Saunagang.
Auch Tage später bleibt der befürchtete Muskelkater aus. Mein Körper ist zufrieden. Doch der Kopf gibt noch immer keine Ruhe. Irgendwo zwischen diesen beiden Extremen muss es eine Mitte geben, denkt er. Mir fällt die Yogaschule ein, in der ich bestens durch meine erste Schwangerschaft gekommen bin – in einem regulären Anfängerkurs. Mittlerweile gibt es auch hier Angebote für werdende Mütter. „Anusara“ heißt die Richtung, auf die sich die Lehrer spezialisiert haben. Klassische Yogapositionen werden dabei an die verspannten Körper und Nerven westlicher Schreibtischmenschen angepasst. Wir singen ein kurzes Mantra, tönen ein paar mal „Om“ und lernen, wie wir durch Schulterbewegung den Herzraum öffnen. Dann gibt es mal mehr, mal weniger anstrengende Übungen für den ganzen Körper – vor allem für den Beckenboden, der während Schwangerschaft und Geburt besonders gefordert ist. Zwischendurch bekommen wir immer wieder kleine Entspannungsverschnaufpausen.
Am Ende bin ich ein Stück zuversichtlicher. Obwohl ich weiß: Gebären ist auch bei exzessivem Yogatraining eine verdammte Tortur. Aber der werde ich hoffentlich nach ein paar weiteren Stunden „Anusara“ ein wenig gelassener entgegensehen.
Text: Teresa Schomburg
Kundalini Yoga für Schwangere, Zentrum für Yoga und Stimme,
Mummy Wave bei YogaWave,
Yoga für Schwangere im Yogaraum Berlin,
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Eine Super-Empfehlung ist auch Frauke Stadali, die in Schöneberg in einem sehr schönen Raum und überschaubaren Gruppen eine sanfte Form des Hatha-Yoga vermittelt, viele auf die Schwangerschaft und Geburt orientierte Körperübungen vermittelt und einem gute Atemtechniken vermittelt, die mir selbst sehr geholfen haben. Mehr Infos findet Ihr unter www.frauke-stadali-yoga.de Annika