Inhaltsangabe

Einst war Mavis Gary (Charlize Theron) das begehrteste Mädchen der gesamten Highschool. Die attraktivsten Jungs waren verrückt nach ihr, die Welt stand ihr offen. Jetzt ist sie 37 Jahre alt. Und steht vor einem Trümmerhaufen: Sie ist frisch geschieden, die Jugendbuchreihe, die sie als Ghostwriterin verfasst, soll eingestellt werden, sie trinkt eindeutig zu viel, das Leben zieht an ihr vorbei. Bis sie erfährt, dass Buddy Slade (Patrick Wilson), ihre große Jugendliebe von damals, Vater geworden ist. Mavis weiß, was sie zu tun hat: Sie will ihn aus seinem spießigen Familienleben befreien und endlich an seiner Seite das Leben mit ihm leben, das sie sich immer erträumt hat. Doch die Rückkehr in ihre Vergangenheit erweist sich als viel schwieriger als gedacht. Verständnis wird ihr ausgerechnet von ihrem ehemaligen Klassenkameraden Matt (Patton Oswalt) entgegengebracht, einem wenig attraktiven Außenseiter, der die Vergangenheit ebenfalls nicht abschütteln kann. Doch kein noch so guter Rat kann Mavis von ihrem Plan abbringen, Buddys Liebe zurückzuerobern.

zitty-Kritik 05/2012

Tragikomödie

Ganz großartig, wie diese hinterhältige, bittere Komödie mit den Sehgewohnheiten des Zuschauers spielt und immer wieder die Regeln des Genres unterminiert. Zunächst leicht verwirrt, dann regelrecht verstört sieht man zu, wie die Heldin auf halber Strecke von der vermeintlich strahlenden Kleinstadtkönigin zur psychotischen Furie changiert. Dabei hätte man vorgewarnt sein müssen: Charlize Theron, die schon in „Monster“ keine Angst vor der Demaskierung kannte, jetzt also in einem Film des für seine Unkonventionalität bekannten Gespanns Jason Reitman (Regie) und Diablo Cody (Drehbuch).  Das lässt mehr erwarten als die üblichen Hollywood-Komödien-Standards.

Zunächst spult sich die Handlung beinahe konventionell ab: Mavis (Theron), eine erfolgreiche, toll aussehende Enddreißigerin wird zur Taufe des Kindes von Jugendfreund Buddy Slade (Patrick Wilson) in die heimatliche Kleinstadt eingeladen. Sie macht sich auf den Weg in die Provinz mit dem Ziel, ebenjenen Exfreund wieder für sich zu gewinnen, schließlich gehört er ihr und nicht irgendeiner Landpomeranze.

Erste Risse im Glamour-Bild lassen sich an Mavis‘ Alkoholkonsum ablesen und an ihrer kleinen, eher schmuddeligen Wohnung in der Großstadt, die eben doch bloß Minneapolis ist. Selbst der Erfolg als Jugendbuchautorin – „mit Vampiren“ – ist in Wahrheit schon recht verblasst. Im heimatlichen Mercury beneidet kaum jemand die attraktive Blonde, dort gilt sie bei vielen Ex-Klassenkameradinnen eher als nervige Abschlussballschlampe. Nur Mavis selbst scheint das nicht zu merken. Schon ihr erster Auftritt im Haus ihres Ex strotzt vor peinlichen Momenten; es sollen noch viele folgen.

Wie sich die hübsch schräg angelegte Homecoming-Geschichte unter der Hand in die Charakterstudie einer alternden, vereinsamten, selbstgerechten Borderline-Alkoholikerin verwandelt, das ist schon dank Charlize Therons vielschichtiger Darstellung absolut sehenswert. Großartig gespielt auch der ehemalige Mitschüler Matt (Patton Oswalt), dem das Leben übel mitgespielt hat und der als einziger ahnt, wie es um Mavis, die Unnahbare, steht. Nach ihrem gemeinsamen Kinohit „Juno“ (2007) wagen sich Reitman/Cody in diesem unvermutet düsteren Gesellschaftsstück an das Porträt einer letztendlich unsympathischen Figur – und haben dabei einen zugleich humorvollen und galligen Film über das (Nicht-) Erwachsenwerden inszeniert. Übrigens: Jason Reitman bleibt seiner Vorliebe für ausgeklügelte Vorspänne treu, diesmal mit Bildern aus dem Innenleben einer Audiokassette. Gerald Jung