Inhaltsangabe

Philippe (FRANÇOIS CLUZET) führt das perfekte Leben. Er ist reich, adlig, gebildet und hat eine Heerschar von Hausangestellten – aber ohne Hilfe geht nichts! Philippe ist vom Hals an abwärts gelähmt. Eines Tages taucht Driss (OMAR SY), ein junger Mann, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde, in Philippes geordnetem Leben auf. Driss will eigentlich nur einen Bewerbungsstempel für seine Arbeitslosenunterstützung und auf den ersten Blick eignet sich das charmante Großmaul aus der Vorstadt auch überhaupt nicht für den Job als Pfleger. Doch seine unbekümmerte, freche Art macht Philippe neugierig. Spontan engagiert er Driss und gibt ihm zwei Wochen Zeit, sich zu bewähren. Aber passen Mozart und Earth, Wind & Fire, Poesie und derbe Sprüche, feiner Zwirn und Kapuzenshirts wirklich zusammen? Und warum benutzt Philippe eigentlich nie den großartigen Maserati, der abgedeckt auf dem Innenhof steht? Es ist der Beginn einer verrückten und wunderbaren Freundschaft, die Philippe und Driss für immer verändern wird.

zitty-Kritik 01/2012

Buddymovie

Thrombosestrümpfe? Waschen? Füttern? Der arbeitslose Driss will in dem noblen Stadtpalais mitten in Paris nichts weiter als eine Unterschrift fürs Arbeitsamt abholen, einen an den Rollstuhl gefesselten reichen Fuzzi zu pflegen, dazu hat er eigentlich keine Lust. Trotzdem lässt er sich von Philippe, der seit einem Sportunfall vom Hals ab gelähmt ist, ködern und nimmt dessen Wette an, dass er nicht mal zwei Wochen durchstehen wird. So kommen die beiden so gegensätzlichen Figuren dieses recht ungewöhnlichen Films zusammen: der lebenslustige, ungebildete, schwarze Sozialhilfeempfänger aus dem Banlieue und der reiche Querschnittsgelähmte aus der weißen französischen Oberschicht, der kein Mitleid mehr will.

Eine Filmpaarung wie aus dem Handbuch für Kinoklischees, aber die Drehbuchautoren und Regisseure Eric Toledano und Olivier Nakache punkten in ihrer respektlosen Komödie mit beißendem Humor und einer so gefühlvollen wie unsentimentalen Inszenierung. Ob Driss mit Philippe in dessen Maserati durchs nächtliche Paris brettert, den armen Behinderten mit Schneebällen bewirft, dem Gelähmten gedankenlos das Telefon hinhält oder ob Philippe ihm umgekehrt vorwirft, faul und bequem auf Stütze leben zu wollen – das kommt alles erfrischend ruppig daher.

Mit kurzen Szenen wird Driss’ Familienalltag in der Welt der tristen Wohnghettos zwischen drohender Kleinkriminellenkarriere des jüngeren Bruders und den Putzjobs der alleinerziehenden Mutter skizziert, was trotz aller Stereotypen ebensoviel Authentizität besitzt wie die Opern- oder Galeriebesuche, die der amüsiert-entsetzte Driss mit Philippe absolviert.

Dass die beiden ziemlich glaubhaft „Ziemlich beste Freunde“ werden, liegt an den großartigen Mimen François Cluzet und Omar Sy. Aber auch die Nebenrollen wie die der hintersinnigen Haushälterin Yvonne oder der sphinxhaften Privatsekretärin Magalie, die von Driss unverblümt angebaggert wird, sind überaus stimmig besetzt. So vermittelt der Komödienerfolg aus Frankreich bei allen verbratenen Klischees nachdenklichen Optimismus und eine unbändige Lebensfreude. Im Abspann sind dann die beiden Protagonisten aus dem wirklichen Leben zu sehen, Philippe und Abdel – was uns noch einmal daran erinnert, dass sich diese ungewöhnliche Geschichte einer Freundschaft wenn nicht genau so, dann wohl ziemlich ähnlich abgespielt hat. Gerald Jung