Bühne

Sprachrohr Vagina

Die Sophiensaele ­präsentieren im Festival „The Future is ­F*E*M*A*L*E*“ subversive Unterhaltungskunst von Frauen

Text: Anna Opel

Nach Jahrzehnten trockener Genderdiskurse macht sich der Femi­nismus locker und lässt die Muskeln spielen! Da geht was: Die unterhaltsame Ära feministischer Kunst provoziert und setzt sich ironisch mit den drei visionären Ms auseinander: Matriarchat, Metamorphosen, Mutterschaft.

Beim Festival „The Future is F*E*M*A*L*E!“ sind Berliner Lokalgrößen dabei wie Anne Haug und Mela­nie Schmidli von Projekt Schooriil, die Komikforscherin Vanessa Stern und die Afrofeministin Simone Dede ­Ayivi. Sie alle schlachten in den Sophiensaelen regelmäßig mit Selbstironie und künstlerischem Mehrwert ihre privaten und beruflichen Krisen aus. Auch internationale Acts sind zu erleben. Die New Yorkerin Adri­enne Truscott zitiert in ihrer One-­Lady-Show „Asking For It“ (14. + 15.9.) Vergewaltigungswitze bekannter Komiker – und inszeniert ihre unbekleidete Vagina als Sprachrohr (!) der subversiven Aneignung.

Provokation mit Humor: Die New Yorkerin Adri­enne Truscott zitiert Vergewaltigungswitze – Foto: Sara Brown

Die phänomenale britische Komikerin Jess Thom arbeitet auf der Bühne mit ihrem Tourette-Syndrom als Gegenpart. 16.000 Mal täglich muss sie unwillkürlich „Biscuit” sagen. Sich nicht unterkriegen lassen, auch nicht von den eigenen Tics. Thom debütiert in Berlin mit „Stand Up, Sit down, Roll Over“ (16. + 17.9.). Dass Kunst Widerstand ist und kreative Auseinandersetzung, davon erzählt auch „Recovery“ (22. + 23.9.), ein Tanzstück, in dem Tänzerin ­Florentina Holzinger rekonstruiert, wie sie sich nach einem schweren Bühnenunfall mit Kampfkunst selbst heilte.

Wer eine andere Zukunft will, muss sich mit der Geschichte auskennen. Die radikalfeministische Burschenschaft Hysteria aus Wien kopiert guerillamäßig die Rituale nationalistischer Studentenverbin­dungen und lädt zur konspirativen Schulung in die Villa Elisabeth ein (15.9.). Achtung hier gilt: Eintritt nur für Frauen und nur nach schriftlicher Bewerbung.

Alle Interessierten können sich aber während des gesamten Festivals von ExpertInnen und AktivistInnen in der „Academy“ schulen lassen. Die Performerin Cora ­„Peter“ Frost, Autorin Annett Gröschner, Philosophin Stefanie Wenner und andere unterweisen in einem Klassenzimmer aus feministischer Perspektive in Sachen Mode, Komik, Geschichtsschreibung und Musik. Stundenplan unter www.sophiensaele.de.

14. – 23.9., Sophiensaele, Sophienstr. 18, Mitte. Einritt 13, erm. 8 €, Doppelticket 18, erm. 12 €, Dreierticket 26, erm. 18 €; Academy, Beautysalon und Party: Eintritt frei

 

 

Kommentiere diesen beitrag