Kino

1917

Früher, in analogen Zeiten, war die Dauer einer Einstellung auf die Länge eines Filmmagazins beschränkt. Mehr als gut 15 Minuten ohne Schnitt zu filmen war unmöglich, damals versuchten nur wenige – Theo Angelopoulos oder Andrei Tarkowski etwa – an diese Grenzen zu gehen. Die Möglichkeiten der digitalen Technik geben Filmemachern nun quasi unbegrenzte Möglichkeiten, die Frage ist: wozu sie nutzen? Für den Briten Sam Mendes war die Antwort: Einen zwei Stunden langen Film zu drehen, der durch die Schützengräben und die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs führt und dabei wirkt, als wäre er in einer Einstellung gedreht.

© 2019 Universal Pictures and Storyteller Distribution Co., LLC. All Rights Reserved.

Die Story folgt einer simplen Spannungsdramaturgie: Die jungen Soldaten Blake (Dean-Charles Chapman) und Schofield (George MacKay) werden durch das Niemandsland geschickt, um einem abgeschnittenen Regiment einen Befehl zu überbringen. Dieser Befehl würde einen geplanten Angriff der britischen Truppen verhindern, der zum Scheitern verurteilt ist. Zudem befindet sich auch noch der Bruder eines des Duos in diesem Regiment.

Eine Geschichte, die Mendes und sein wie immer brillanter Kameramann Roger Deakins zu einer Tour de Force nutzt. Ohne (sichtbaren) Schnitt wird der Weg des Duos geschildert, mit fließender Kamera geht es vorbei an Explosionen, Scharfschützen, einem Flugzeugabsturz und manch anderen Katastrophen.

Wie die Levels eines Computerspiels wirkt diese Szenerie bisweilen, und damit kommt man dem größten Manko von „1917“ nahe, der Frage des Warum? Warum eine filmische Form wählen, die bei aller Dramatik des Gezeigten doch stets auf sich selbst verweist? Welchen Mehrwert hat die schnittlose Form, abgesehen von der Suggestion eines immersiven Miterlebens? So sehr aus einem Guss wie etwa Sebastian Schippers „Victoria“ fühlt sich „1917“ nicht an. Und doch gelingen Mendes immer wieder Momente und Bilder von atemberaubender Wucht, Szenen, in denen das Grauen des Krieges erlebbar wird. So intensiv war seit den ersten Minuten von „Saving Private Ryan“ kein Kriegsfilm mehr. Vielleicht reicht das schon. Den Golden Globe als Bestes Drama gab es schon mal.

GB/USA 2019, 119 Min., R: Sam Mendes, D: George MacKay, Dean-Charles Chapman, Richard Madden, Start: 16.1.

Kinotermine

https://www.zitty.de/event/kino/1917-der-film/