VARIETÉ-REVUE

20 20 – Die 20er-Jahre Varieté Revue

Die Suche nach dem Lebensgefühl der Zwanziger geht im Wintergarten nur artistisch auf

Auch im Varieté gibt es jetzt eine Holzklasse: Direkt vor der Bühne und ausgerüstet mit Regenschirmen, zum Schutz vor Champagner-Spritzern. Das soll den Link zwischen den gar nicht so goldenen 1920ern und den aktuellen Zwanzigern illustrieren, den die neue Wintergarten-Show sucht. Amüsier-Hauptstadt war und ist Berlin, politische Düsternis kann man auch für beiden Dekaden diagnostizieren.

Federtänzer Dennis MacDao – Foto: Robert Pater

Also auf ins akrobatisch kritische Getümmel. Ob beim biegsamen Geplansche zu viert im durchsichtigen Wasserbecken oder beim Handstand-Strip auf einem Empire-Sessel – die Acts sind fulminant. Fürs Nostalgische stehen die Collins Brothers mit einer augenzwinkernden Zersägter-Jungmann-Nummer. Und das Duo Sienna schwingt sich schwerelos über ­Pole-Stangen und Lufträder. Starke Frauen! Queer und sexy, so geht Revue anno 2020.

Bei den Übergängen holpert es allerdings. Regisseur Markus Pabst versucht als trockener Co-MC mit ­Tucholsky- und Kästner-Zitaten vor dem aktuellen Rechtsruck zu warnen, begleitet vom schrill-androgynen Jack Woodhead, der musikalisch glänzt, aber ansonsten diabolisch mit zickig verwechselt.

Pabst und sein Co-Regisseur Pierre Caesar wollen viel: politisch, divers, witzig, provokant soll es sein. Artistisch stimmt das, die verbindenden Gedanken bleiben nur gut gemeinte Fremdkörper. GERD HARTMANN

bis 11.6., Di–Sa 20 Uhr, So 18 Uhr, Wintergar­ten, Potsdamer Str. 96, Tiergarten. Regie: Markus Pabst, Pierre Caesar. Eintritt ab 32 €