KABARETT

20 Jahre Jahresrückblick

Seit 20 Jahren blickt ein illustres Quintett im Mehringhof Theater stets aufs Jahr zurück. Im Jahr der US-Wahl mischt Trump aber auch hier einiges durcheinander

Erfolgsquintett seit zwei Jahrzehnten: Hannes Heesch, Manfred Maurenbrecher, Christoph Jungmanns Merkel, Bov Bjerg und Horst Evers (v.l.n.r.) – Foto: David Baltzer
Erfolgsquintett seit zwei Jahrzehnten: Hannes Heesch, Manfred Maurenbrecher, Christoph Jungmanns Merkel, Bov Bjerg und Horst Evers (v.l.n.r.) – Foto: David Baltzer
ZITTY-Bewertung 6/6
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Als Christoph Jungmann vor 20 Jahren erstmals als Angela Merkel durch den kabarettistischen Jahresrückblick im Mehringhof Theater führte, war die heutige Kanzlerin noch „Kohls Mädchen“ und Umweltministerin.

Parallel zum Aufstieg Merkels entpuppte sich auch die Jahresrückschau des einstigen „Mittwochsfazit“-Trios Bov Bjerg, Horst Evers und Manfred Maurenbrecher, des Parodisten Hannes Heesch und Jungmanns Merkel als Erfolgsgeschichte. Kamen vor 20 Jahren knapp 1.000 Zuschauer, so müssen die Kabarettisten inzwischen fast durchgängig Doppelvorstellungen ansetzen und bespielen dazu im Januar auch noch das 800-Plätze-Theater am Kurfürstendamm, um die Nachfrage zu befriedigen.

Doch etwas ist anders in diesem Jahr. Das beginnt schon damit, dass diesmal nicht Moderatorin Merkel zu Beginn das Publikum begrüßt sondern Joachim Gauck (Hannes Heesch), der sichtlich Gefallen an der Entertainerrolle hat, woraus sich für die Zukunft – schließlich hat Gauck bald viel Zeit – Konfliktstoff mit Merkel ergeben könnte. Merkel ist zu Beginn natürlich nicht wegen dringender Regierungsgeschäfte verhindert, sondern weil ihr Darsteller Jungmann erstmal in Gestalt eines der vielen in diesem Jahr verstorbenen musikalischen Helden einen Knallerauftritt hat: David Bowie.

Auch sonst ruhen sich die glorreichen Fünf im Jubiläumsprogramm nicht auf dem bewährten Erfolgsrezept aus, sondern sie wagen Ungewohntes, gar Provozierendes. Und das hat auch mit dem President-elect Donald Trump zu tun. Die Fassungslosigkeit angesichts dieser Personalie, die nicht nur hierzulande viele umtreibt, übersetzen die Kabarettisten in eine Nummer, in der ausgerechnet Publikumsliebling Horst Evers von Trump von der Bühne gefegt wird. Die Bestürzung bei seinen Kollegen und im Publikum angesichts dieses Egomanen wird so gespiegelt; mutig von den Kabarettisten, diese Ratlosigkeit dann auszuhalten und nicht mit einer Pointe zu entschärfen.

Ansonsten gibt es natürlich bewährtes Fan-Futter: Evers Alltagsabsurditäten, Bjergs satirische Beobachtungen, Maurenbrechers frotzelnd grimmige Balladen, Politikerparodien, umgetextete Hits und ungelenk Choreografie tanzende Männer. Zu schön. FRIEDHELM TEICKE

bis 8.1., Di–So 16 + 20 Uhr, Mehringhof Theater, Gneisenaustr. 2a, Kreuzberg. Eintritt 24, erm. 18 € (nur noch Restkarten), 12.-15.1., 16 + 20 Uhr, Komödie am Kurfürstendamm 209. Wilmersdorf. Eintritt 19–28 €