TANZTHEATER

21 pornographies

Die Choreografin Mette Ingvartsen seziert das Verhältnis von Macht und Sexualität

Narration und Tanz: Mette Ingvartsen – Foto: Jens Sethzman

Schokolade und Ekel, Mette Ingvartsen lässt die Assoziationen gehörig zusammenkrachen. Gerade noch schilderte sie eine Szene angelehnt an Marquis de ­Sades „Die 120 Tage von Sodom“, in der Exkremente gegessen werden müssen, und schon animiert sie das Publikum dazu, eine unterm Sitz versteckte Praline zu vernaschen.

Mette Ingvartsen gibt die Geschichtenerzählerin. Geschichten, die es in sich haben. Um Macht geht es, Spielarten sexualisierter Gewalt, bis hin zu Kriegsverbrechen neueren Datums.

Mit kühler, fast aseptischer Präzision navi­giert die Dänin, die mit dem mehrteiligen Abend „Red Pieces“ ihren Einstand als Hauschoreografin an der Volksbühne gab, durch ihr 70-minütiges Solo. Energie zieht „21 pornographies“ vor allem aus der Spannung, die durch den sachlichen Erzählton und die ausgebreiteten, teils drastischen Bilder entsteht. Ihr nackter, dosiert tanzender Körper ist dabei immer Gegengewicht und Projektionsfläche, auf der sie Objekt- und Subjektperspektive verschwimmen lässt.

Auch wenn Ingvartsen als Performerin überzeugen kann, die Narration und Tanz geschickt verschränkt, bleibt das Stück stellen­weise ambivalent. So am Ende, wenn sie mit einer schwarzen Kapuze auf dem Kopf minutenlang im Lichtgewitter wild kreiselt und die Folterbilder von Abu Ghraib wachruft. Ästhetische Überwältigung scheint hier wichtiger als der Aussage­horizont. ANNETT JAENSCH

4.2., 19.30 Uhr, Volksbühne Berlin, Rosa-­Luxemburg-Platz, Mitte, Eintritt 10–30 €