BIO-REvue

Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht

Rosa von Praunheims Leben als Show

Rosas Avatar: Božidar Kocevski – Foto: Arno Declair

„Der scheißt sich nix“, würde der Österreicher sagen. Und richtig: Zeit seines nun 75-jährigen Lebens hat Rosa von Praunheim nie jemanden geschont, schon gar nicht sich selbst.

So auch hier in diesem bunten Mix aus ­Autobiografie und Show, bei dem der ­Autor Rosa von Praunheim einen Streifzug durch sein schwules ­Leben präsentiert: verspielt, ironisch, mitunter bitter – und entwaffnend ­ehrlich.

Behilflich sind ihm ­dabei zwei grandiose Performer: Božidar Kocevski als Rosas alter ego – der immer wieder aus seiner Rosa-Rolle ausbricht – und der ­Musiker und Ko-Schauspieler Heiner Bomhard ­fangen manchen drama­turgischen Hänger des Potpourris gekonnt auf und füllen die ­karge Bühne, auf der ­lediglich eine beleuchtete Showtreppe ­rotiert, mit ihrer Präsenz.

Und wie ­immer bei von Praunheim sind ­sensiblere oder moralinsaure Gemüter gefordert, er nennt die ­Dinge beim ­Namen, sei es nun die diversen ­Tripper-Ansteckungen in Rosas Vita oder eine musikalische Hymne auf den Analverkehr. Und im Hintergrund sieht man immer ­wieder amüsante Filmschnipsel aus Rosas Filmen und Talkshows.

Doch trotz aller Plüschheit schwingt ­hier immer auch etwas Melancholie mit: Den Tod thematisiert der Abend ebenso wie Rosas jahrezehntelangen Kampf gegen das verfluchte Aids. MARTIN SCHWARZ

15.2. (nur Restkarten), 14.3., 19.30 Uhr, 28.3., 20 Uhr, Kammerspiele des Deutschen Theaters, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Rosa von Praunheim; mit Heiner Bomhard, Božidar Kocevski. Eintritt 19–25, erm. 9 €

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