Reisebilder

Ulrike Ottinger in Sibirien

Nach ihrer großen Installation im Haus der Kulturen der Welt zeigt die Filmkünsterlin Ulrike Ottinger jetzt neue Reisebilder in der Staatsbibliothek

Inahpak, Lager der Meeresjäger Fotografie: Ulrike Ottinger
Inahpak, Lager der Meeresjäger. Fotografie: Ulrike Ottinger

Im Jahr 1815 reiste Adelbert von Chamisso mit dem Schiff nach Polynesien, Alaska und ins nordöstliche Russland, erforschte dort Flora und Fauna sowie das Leben der Tschuktschen und Aleuten. 200 Jahre später ist die Berliner Künstlerin Ulrike Ottinger seiner Fährte gefolgt. Sie reiste nach Kamtschatka, nach Sibirien und zum Beringmeer – mit ihrer Filmkamera. „Chamissos Schatten“ kommt im März in die Kinos, Ausschnitte aus dem Material sind schon jetzt in der Staatsbibliothek zu sehen.
„Weltreise“ kombiniert vier Filme – über Landschaften, Menschen, Tieren und Pflanzen – mit Handschriften und Archivmaterial, von Chamisso, seinen Vorbildern Alex­ander von Humboldt und Reinhold Forster sowie von Ottinger selbst. Wahre Schätze sind es: hölzerne Walmodelle, die sich Chamisso von Einheimischen schnitzen ließ, Tagebücher, Zeichnungen von Forster und von Humboldt, Auszüge aus den Arbeits­büchern Ottingers.
Die Videos geben poetisch-spröde Einblicke in hierzulande wenig bekannte Lebensrealitäten: Rentierherden in der Tundra, schäbige Hütten, zum Trocknen aufgehängter Lachs, Waljäger, Felsenküsten. Wer in Zeiten der Billigflieger geglaubt hat, es gäbe keine schwer erreichbaren Flecken mehr auf der Landkarte, dem beweist die Künstlerin, das Gegenteil. Umso besser können sich Besucher in der einer Jurte nachempfundenen Ausstellungsarchitektur in den Bewegtbildern verlieren.

BEATE SCHEDER

Bis 27.2.2016: Staatsbibliothek, Potsdamer Str. 33, Tiergarten, 23.12., Mo-Sa 9–17 Uhr