KÖRPER-RAUM-THEATER

Null

Es geht um nichts in Herbert Fritschs zweiter Inszenierung für die Schaubühne – und das ist doch etwas

Herbert Fritschs Ensemble hängt in den Seilen: Florian Anderer, Jule Böwe, Bastian Reiber, Ruth Rosenfeld, Ingo Günther, Carol Schuler (.v.l.) – Foto: Thomas Aurin

Seit die Welt das Nichts als Zahl kennt, kann man mit Null rechnen. Fest steht: Ohne sie wären wir heute nichts, die ganze bekanntlich auf Null und Eins aufbauende Digitalisierung wäre unmöglich, und erst mit ihr werden Zahlen groß: Was wäre die Million ohne ihre sechs Nullen?

So wird es höchste Zeit, dass sich mit Herbert Fritsch ein tieferer Unsinnsucher der Null annimmt: „Ich will mit dem Nichts spielen, das sich als Etwas ausgibt“, erzählte er im Vorfeld und kokettierte in einem Probeninterview ein wenig damit, dass ihm nichts (!) einfallen würde und man einfach mal loslege.

Und wie! Sein tolles Ensemble zählt zu Beginn durcheinander stolpernd und brabbelnd auf der bis auf eine Pole-Stange fast leeren Bühne erst mal ein: Eins, zwei, drei, vier. Der Rhythmus ist los, auch wenn niemand den Takt klatscht, schon gar nicht, humtata, auf 1 und 3. Fritsch setzt aber alles auf die Null, hängt das Ensemble an Bungee-Seile und lässt es in witzigen Choreografien im Nichts baumeln. Rien ne va plus.

Im zweiten Teil nach der überraschend frühen Pause (nach 30 Minuten) formieren sich Fritschs fulminante Körperartisten unter anderem zu einem Blasorchester, das nur Luft aus den Instrumenten pustet, damit aber, angeführt vom famosen Ingo Günther, eine Art Lied hinbekommt. Groß! Fritsch zeigt nichts als die Leichtigkeit des Nichts – aber das ist doch schon Etwas. FRIEDHELM TEICKE

27.+30.4., 20 Uhr, 28.+29.4., 20.30 Uhr, Schaubühne am Lehniner Platz, Wilmersdorf. Regie: Herbert Fritsch; mit u.a. Florian Anderer, Jule Böwe, Werner Eng, Ruth Rosenfeld, Carol Schuler, Axel Wandtke. Eintritt 7–48 €