JUBILÄUM

Von wegen Kaspertheater

Mit einem „Jubiläumskonzert der Dinge“ feiert die Schaubude Berlin ihr 25-jähriges Bestehen

Auf den Spuren eines katalanischen Avantgardisten: „No em va fer Joan Brossa“ von Cabosanroque – Foto: Cabosanroque

Text: Friedhelm Teicke

Ihr Genre ist die mit den langlebigsten ­Klischees besetzte Thea­terform. Doch seit einem Vierteljahrhundert führt die Schaubude Berlin beharrlich den Beweis, dass Figu­ren- und Puppentheater nicht unbedingt auch Kinder­thea­ter ist. Und selbst die Stücke für Kinder haben mit dem Stereotyp von Kasper & Co nichts zu tun.

Auch im Abendspielplan wird das Spiel mit Homunkuli und Objekten zur Liaison aller Künste, verbindet sich assoziationsreich mit der bildenden Kunst, mit Musik, Tanz und Schauspiel und erforscht seit der Intendanz von Tim Sandweg zunehmend auch die neuen Mittel des Digitalen. Daher zeigt Berlins zentrale Spielstätte für das Thea­ter der ­Dinge zum 25. Geburtstag programmatisch ein „Jubiläumskonzert der Dinge” – ein Parcours von drei sich zwischen Objekttheater, Klangkunst und Installation bewegenden intimen Arbeiten.

Doch nicht erst seit der Eröffnung im Mai 1993 wird in der Greifswalder Straße Figurentheater gezeigt. Die Bühne war seit 1965 Residenz des „Puppentheater Berlin“, des größten Ensemble-Puppentheaters der DDR. 1991 wurde die staatliche Spielstätte abgewickelt. Mit anderem Konzept und deutlich geringerem Personal wurde dann 1993 die Schaubude Berlin als zentrale Plattform des zeitgenössischen Figuren- und Objekttheaters ohne eigenes Ensemble eröffnet.

Hier sollen „die besten künstlerischen Leistungen des Berliner, des bundesdeutschen und des ausländischen Puppen- und Figurentheaters präsentiert werden.“ So steht es im Konzept des Gründungsintendanten Gerd Taube – seine Nachfolger Silvia Brendenal (1997-2015) und Tim Sandweg haben dieses Konzept konsequent fortgeführt und um neue Möglichkeiten des „Thea­ters der Dinge“ erweitert.

Deshalb ist es auch ein Statement, wenn die Schaubude ihr Jubiläum nicht mit einer klassischen bis experimentellen Figurenthea­ter-Inszenierung feiert, sondern mit einem immersiven „Konzert der Dinge“.

Dabei sind „No em va fer Joan Brossa” („Ich entstamme nicht Joan Brossa”), eine Soundlandschaft, mit der sich die spanische Gruppe Cabosanroque auf die Spuren des katalanischen Avantgardisten Joan Brossa setzt, und „Le ­Petit Cirque“, eine französische Theaterminiatur aus elektroakustischen Klangobjekten.

Alles Gute zum Geburtstag, ewig junge Schau­bude!

16.+17.5., 19+20 Uhr, 18.5. , 18, 19, 21+22 Uhr, 19.+20.5., 16.30, 17.30, 20+21 Uhr, Schaubude Berlin, Greifswalder Str. 81–84, Prenzlauer Berg, Eintritt 20, erm. 15 €
www.schaubude.berlin

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