Brandenburg

300. Geburtstag von Carl Philipp Emanuel Bach

Frankfurt an der Oder feiert den 300. Geburtstag seines bekanntesten Studenten,
Carl Philipp Emanuel Bach. Der Cembalist war zu Lebzeiten populärer als sein Vater Johann Sebastian Bach

Einer der berühmtesten Musiker der Stadt Frankfurt (Oder) heißt Bach. Das Problem ist nur: Es handelt sich dabei nicht um ­Johann Sebastian Bach, sondern um seinen zweiten Sohn Carl Philipp Emanuel Bach. In der Oderstadt studierte der Cembalist auf Wunsch seines Vaters Jura. Am 8. März diesen Jahres wird sein 300. Geburtstag gefeiert. Für Frankfurt und die Europa-universität Viadrina ein Grund, den jungen Bach mit Konzerten und einer Ausstellung zu würdigen.Frankfurt (Oder) und Carl Philipp ­Emanuel Bach haben etwas gemeinsam: Die ­Geschichte meinte es nicht immer gut mit ihnen. Frankfurt war im Mittelalter eine blühende Handelsstadt, auf Augenhöhe mit Leipzig oder Berlin. Doch dann kam ein langsamer Abstieg, weil sich die Handelsströme verlagerten. Der endete damit, dass die Universität 1810 nach Breslau verlegt wurde. „Frankfurt hat sich aber immer wieder aufgerafft, da es hier ein starkes bürgerliches Engagement gibt“, sagt Chris­tine Hellert vom Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt.

Die Geschichte zeigt, was bleibt

Mit der Industrialisierung kam eine zweite Blüte. „Frankfurt hat eine lange Musiktradition“, sagt Hellert. Altrichter, Europas größte Fabrik für Blechblasinstrumente ­residierte hier. Oder die Orgelbaufirma Sauer, die bis heute weltweit Kircheninstrumente baut. So stammt die Orgel im ­Berliner Dom aus Frankfurt. Und auch für Carl Philipp Bach gab es gute Gründe, die Stadt als Studienort zu wählen. In Frankfurt konnte er sich neben dem Jura-Studium als Musiker verwirklichen und erste Werke komponieren. Carl Philipp Bach war, anders als sein ­Vater, bereits zu Lebzeiten ein Star. Er galt als begnadeter Cembalist und schrieb rund 200 Stücke für das historische Tasten­instrument. Wenn Haydn oder Mozart von Bach schwärmten, meinten sie den Sohn, den jungen Bach. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Würdigung von Johann Sebastian Bach. „Die Geschichte zeigt, was bleibt“, sagt Hellert. Der Vater sei ohne Zweifel der genialere Komponist gewesen. Dennoch lohne es sich, die nur noch selten aufgeführten Werke von Carl Philipp Bach zu hören. Er gilt als wichtigster Vertreter des Empfindsamen Stils, der den Barock ablöste .

All dies erfahren Interessierte bei einem kulturgeschichtlichen Stadtrundgang am 8. März ab 11 Uhr, der im Ehrenhof der Universität Viadrina beginnt. Um 18 Uhr eröffnet eine Bach-Ausstellung und um 19 Uhr erklingen Bach, Mendelssohn, Schubert und der polnische Komponist Krzysztof Penderecki. Der Eintritt an diesem Tag ist frei.

Text: Martin Hildebrandt

Musikfesttage in Frankfurt (Oder)
Bis zum 9. März 32 Konzerte an 13 Orten
www.musikfesttage.de

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