JUBILÄUM

40 Jahre Fliegendes Theater

Mit einer Straßentheateraktion auf dem Ku’damm begann 1978 die Geschichte dieses emanzipatorischen Kindertheaters

Foto: Fliegendes Theater

Eine meterhohe Kapitalisten-Puppe und ein Teufel auf Stelzen, dem selbstgedruckte Geldscheine in den Hintern geschoben werden – mit einer konsumkritischen Studentenaktion auf dem Ku’damm fing 1978 alles an. Das erste Kinderstück hieß „Sei doch kein Frosch“ und ermutigte die Kinder, sich von Erwachsenen nicht alles gefallen zu lassen. Seitdem entwickelt die Gruppe um Rudolf Schmid intelligente Spielereien mit Menschen, Puppen und Objekten für Kinder und Erwachsene.

Unvergessen die urwitzige One-Woman-Show „Hilfe, die Herdmanns kommen“ mit Edelgard Hansen. Oder die bittersüße Nacherzählung des Lebens der Anne Frank. Immer wieder wurden in verblüffender Weise Spielwelten erschaffen, die weit über ihren objekthaften Ursprung hinauswiesen.

Dies fiel auch dem Jugendkulturservice auf: Das Fliegende Theater wurde sieben Mal für dem Berliner Kindertheaterpreis Ikarus nominiert und zweimal ausgezeichnet. 2016 äußerte sich die Jury begeistert über „Das Höhlenkind“: „Das Fliegende Theater schafft mit einfachen Mitteln ein ganzes Universum und erzählt mit Staunen machender Präzision eine Geschichte voller Poesie, lehrreich und berührend zugleich.“

Das Steinzeitdrama „Das Höhlenkind“ wurde 2016 mit dem Ikarus-Preis ausgezeichnet – Foto: Fliegendes Theater

Der Name der Gruppe verweist auf die große Mobilität und den Freiheitsdrang der Theatermacher in ihren Anfängen: „Wir waren halt so hippie-mäßig drauf,“ erzählt Rudolf Schmid, „Wir wohnten in einer Kommune in der Eisenacher Straße und fuhren viel herum.“

Auch wenn das Fliegende Theater längst in einer Hinterhofbühne in der Urbanstraße sesshaft geworden ist, hat sich die Sehnsucht nach Freiheit und Leichtigkeit nie ganz gegeben: „Tatsächlich enden unsere Stücke oft mit dem Fliegen“, überlegt Schmid. So auch in der aktuellen Produktion über eine „kleine Wolke“, die über dem Meer erst blütenweiß ist, dann ein wenig regnet und später von einer Fabrik grau und schmutzig wird. Begleitet vom Klang der live gespielten Kalimba und der Alpenglocken, fliegt sie am Ende davon. Gute Reise weiterhin. REGINE BRUCKMANN

14.9., 19.30 Uhr, 16.9., 15 Uhr, Fliegendes Theater, Urbanstr. 100, Kreuzberg. Eintritt 15, erm. 12 € (14.9.), 6 € (16.9.)