JUBILÄUM

70 Jahre Vaganten

Das 99-Plätze-Theater unterhalb des Delphi-Kinos in der Charlottenburger Kantstraße ist eines der ­ältesten Privattheater Berlins

Mit der Berlin-Revue „Spreeperlen“ feiern die Vaganten ihr Jubiläum – Foto: Laurin Gutwin

Ihr größter Hit steht seit 21 Jahren auf dem Spielplan. Andreas Schmidts Inszenierung des Stücks „Shakespeares sämtliche Werke in 90 Minuten!“ ist ein Repertoire-Renner sondergleichen und bei nur drei Schauspielern auf der Bühne für das Theater wirtschaftlich eine gute Bank. Denn das ermöglicht der Vaganten-Bühne Inszenierungen zeitgenössischer Werke, die „zwar gut sind für die Ehre, aber schlecht für die Auslastung“, wie der inzwischen verstorbene Leiter Rainer Behrend uns einmal im Interview verriet.

Behrends Vater Horst hat das Kellertheater 1956 mit seiner sieben Jahre zuvor gegründeten Schauspielergruppe bezogen. Der Name Vaganten (wie umherziehende Spielleute im Mittelalter genannt wurden) erinnert an die Zeit, als die teilweise aus theaterbegeisterten Laien bestehende Truppe ohne feste Spielstätte durch Berlin tingelte. Zu den Schauspielern der frühen Jahre gehört ein gewisser Harald Juhnke, aber auch Horst Buchholz und Dieter Hallervorden haben hier ihre schauspielerischen Anfänge. Mit Aufführungen damaliger Avantgarde, von Jean-Paul Sartre, Jean Genet und Autoren des Absurden Theaters, profiliert sich das Haus.

Horst Behrend stirbt Ende 1979, seine Söhne Rainer und Jens-­Peter übernehmen die Leitung, letzterer führt es nach Rainer Behrends Tod 2009 bis heute weiter. Weiterhin liegt das Profil auf zeitgenössischen und sozialkritischen ­Stücken, flankiert von Klassikerbearbeitungen und Unterhaltungsstoffen, Publikumszucker wie die Berlin-Revue „Spreeperlen“, mit der die Vaganten nun ihr Jubiläum und die Stadt feiern. Happy Birthday! FRIEDHELM TEICKE

Jubiläumsfeier mit Premiere „Spreeperlen“ am 24.4., 20 Uhr, Vaganten Bühne, Kantstr. 12a, Charlottenburg. Regie: Bettina Rehm; mit Stella Denis, Anja Dreischmeier, Robert Huschenbett, Natalie Mukherjee, Hanno Siepmann u.a., Eintritt 25, erm. 10 €