MUSIKTHEATER

9 Tage wach

Die Neuköllner Oper hat Eric Stehfests Drogenerfahrungs-Bestseller musikalisch aufbereitet

Voll drauf: Jochen Weichenthal, Linda Belinda Podszus – Foto: Matthias Heyde

Eric Stehfest, in der Nähe von Dresden groß geworden, schloss sich nicht wie manch Jahrgangskollege einer der zahlreichen national gesinnten Truppen an, sondern vollführte seine Flucht aus einem recht tristen Alltag mit Hilfe der Modedroge Chrystal Meth. Sein Aufwachsen, seine Sucht, die damit verbundene kriminelle Karriere, aber auch den Rausch, dem die Droge die Tür öffnete, beschreibt der mittlerweile zum TV-Soapstar aufgestiegene Autor recht eindrücklich in seinem autobiografischen Roman „9 Tage wach“, den die Neuköllner Oper als aufklärerisch gesinntes Musiktheater inszeniert hat.

Auf einer Bühnenschräge sprechen, singen und tanzen sich fünf Performerinnen und Performer in wechselnden Konstellationen durch biografische Stationen. Der Sound­track dazu – von HipHop über Metal bis Techno ist so ziemlich alles dabei, was treibt – dringt aus dem „Keller“ unter den Bühnenschräge hoch.

Das ist ein schönes Arrangement. Und selbst, wenn man sich den Rausch noch etwas rauschhafter und die Räudigkeit des Katers danach noch etwas räudiger gewünscht hätte, so schwappen doch die Emotionen hinüber ins Publikum. Wieder mal ein Stück der Kiez-Oper, das in den Kiez passt und zugleich über ihn hinausgeht. TOM MUSTROPH

10.–12., 16.–19.5., 20 Uhr, Neuköllner Oper, Karl-Marx-Str. 141, Neukölln. Regie: Fabian Gerhardt, musikal. Ltg.: Christopher Verworrner, Claas Krause; mit Christian Clauß, Sophia Euskirchen, Linda Podszus, Armin Wahedi Yeganeh, Jochen Weichenthal. Eintritt 19– 22, erm. 11 €