Mystery-Horror

A Cure for Wellness

Gore Verbinski lässt uns in einem Sanatorium tiefgreifend schaudern

ZITTY-Bewertung: 5/6

Etwas stimmt nicht, man merkt es sofort. In der ersten Szene von Gore Verbinskis Mystery-Horrorfilm stirbt ein überarbeiteter Manager eines dubiosen Finanzdienstleistungsunternehmens an einem Herzinfarkt. Vielleicht. Doch warum nur widmet der Film dem Wasser so viel irritierende Aufmerksamkeit, das der Manager noch trinkt, ehe er umfällt?

Nun tritt Mr. Lockhart (Dane DeHaan) im Auftrag seiner Arbeitgeber eine Reise in die Schweiz an, um den in einem abgelegenen Sanatorium zur Kur weilenden Aufsichtsratsvorsitzenden zurück nach New York zu bringen. Der hatte in einem seltsamen Schreiben angekündigt, gar nicht mehr heimkommen zu wollen – doch seine Kollegen brauchen einen Sündenbock, falls bei der anstehenden Firmenfusion die Unregelmäßigkeiten in den kreativ geführten Büchern auffallen sollten.

A Cure for Wellness
Foto: 20th Century Fox

Doch so einfach, wie sich der Karrierist Lockhart seine Aufgabe vorstellt, ist sie nicht. Denn wie es scheint, hat diesen Ort bereits seit geraumer Zeit niemand mehr verlassen.

Das Vergnügen an „A Cure for Wellness“ speist sich nicht zuletzt aus der in sich geschlossenen Welt, in die man im Sanatorium eintaucht, einem Design-Traum/Albtraum mit gekachelten Gängen in Creme und Türkis. Geschickt verbindet die Geschichte Business-Satire, hochkulturelle Anspielungen (dass einer der Pfleger Thomas Manns „Der Zauberberg“ liest, ist nur einer der offensichtlichsten Scherze), vielerlei kinoreferenzielle Zitate und einen sehr unbehaglichen Horror miteinander, der nicht auf überfallartigem Schrecken beruht, sondern auf dem Ausspielen von Urängsten in einer Welt, die an den Kanten aus den Fugen geraten ist.

Und während Mr. Lockhart, der nach einem Unfall mit einem Gipsbein wieder aufgewacht ist, immer wieder durch die endlosen gekachelten Gänge schleicht, kann man sich auch nie ganz sicher sein, dass die schrecklichen Dinge, die er entdeckt, nicht doch vielleicht nur das Produkt einer überreizten Fantasie sind. Aber am Ende kommt wie bei einer Zwiebelschale doch noch der klassische Trash-Horror zum Vorschein.

Klar, Grusel-Altmeister Roger Corman hätte aus den zweieinhalb Stunden von „A Cure for Wellness“ wohl mindestens zwei Filme gemacht und aus den Schnittresten noch einen dritten. Aber auch Gore Verbinskis Film – er drehte die ersten drei Teile der „Fluch der Karibik“-Reihe – ist großes Entertainment: wunderbar anzusehen und in seiner gemächlichen Eindringlichkeit tiefgreifend schaurig.  

USA 2016, 146 Min., R: Gore Verbinski, D: Dane DeHaan, Jason Isaacs, Mia Goth

A Cure for Wellness

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