Kino

A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando

„Toy Story“, der erste abendfüllende Computeranimationsfilm des Pixar-Studios, änderte 1995 das Geschäft mit dem Trickfilm von Grund auf. Alle großen ­US-Studios ­stellten nach diesem Erfolg auf CGI ­(Computer Generated Imagery) um, und für Pixar begann eine Dekade künstlerischer und kommerzieller Triumphe. Die Geschichten der kalifornischen Trickfilmkünstler entführten in immer neue Welten, präsentierten ständig neue animationstechnische ­Errungenschaften und rangen dem Erzählen frische Perspektiven ab.

Nur echt mit der hochgezogenen Augenbraue: Buzz Lightyear
Foto: Disney Pixar

Die zentralen Themen von „Toy ­Story“ und seiner beiden Sequels waren das ­Bangen vor dem Verlust von Liebe und ­Zuneigung ­sowie die Angst vor der eigenen Nutzlosig­keit: Die Eifersucht der Cowboyfigur ­Woody auf den vermeintlich cooleren ­Space Ranger Buzz Lightyear, die Furcht vor einem einsamen Ende in der Museums­vitrine, und die ­Panik, als Besitzer Andy langsam zu alt für Spielzeuge wird, setzten in der vom Publikum innig geliebten Trilo­gie (1995, 1999, 2010) stets Dramen von shakespeareschem Ausmaß in Gang.

Im vierten Teil werden die Themen der ­vorangegangenen Trilogie nun auf intelligente – und sehr witzige – Weise variiert. Denn Woody trifft bei seinen Abenteuern mit der neuen Spielzeugbesitzerin Bonnie auf seine alte Liebe, die Porzellanschäferin Porzellinchen, die als „verlorenes“ Spielzeug nunmehr emanzipiert und selbstbestimmt in freier Wildbahn lebt. Und damit das genaue Gegenteil von Woody verkörpert, jenem Spielzeugäquivalent eines ­Helikopter-Vaters, der einfach nicht loslassen kann. Nun ist es Zeit für eine neue Lernerfahrung. Neue Figuren sind Forky, ein von Bonnie aus einer Plastikgabel gebasteltes Männchen, sowie die Puppe Gabby Gabby, die mit kaputtem Sprachmodul in der Vitrine eines Antiquitätenladens sitzt und sich nach der Zuneigung eines Kindes sehnt: ein ebenso trauriges wie beunruhigendes Spielzeug. 

Die Originalität der vorangegangenen ­Filme erreicht dieses Sequel nicht ganz, ebenso wenig wie die düstere Bedrohlichkeit des dritten Teils. Hier ist eben alles auf eine freundlichere Weise unterhaltsam. Doch der Anspruch an die emotionale ­Intelligenz des Publikums ist nach wie vor hoch.

USA 2019, 100 Min., R: Josh Cooley, Start: 15.8.