Westbams Club-ABC

A wie Abraxas

„Jetzt funk mal richtig los, spiel mal was von Al Jarreau!“ Diese lautstarke Ansage einer 1,90 Meter großen, ziemlich angsteinflößenden Frau zum Abraxas-DJ klingt mir bis heute in den Ohren. Es war das erste, was ich dort hören musste. „Hui, neue Leute – neue Szene“, dachte ich.

Das Abraxas war gerade in die Räumlichkeiten des legendären Berliner Styletempels „Zest“ in der Kantstraße eingezogen. Die Frontbemalung an der Fassade der Location war geblieben: ein saxofonspielender Sarotti-Mohr mit dem Zest-Wahlspruch „Apres le travail“. Auch sonst hatte sich an der Locationeinrichtung nichts geändert.

Doch statt den Charlottenburger Szenekids, die das Zest bevölkert hatten, die zeittypischen „World’s End“-Hüte trugen und aussahen wie Boy George, (die besten unter ihnen sogar wie Hayzee Fantasee), waren auf einmal Leute da, die im 80er-Slang als „Müslis“ bezeichnet wurden: Typen mit Dreadlocks, auch unter den Achselhöhlen, und halbmondförmigen Salzrändern an ihren Muscleshirts. Wenn also zu Al Jarreau losgefunkt wurde, roch es nicht mehr nach den 80er-Jahre-Klassikern Shalimar und Karl Lagerfeld, sondern ein bisschen nach Pavianhaus mit Xylofonsolo und Sambarhythmen.

Jahre später, es muss 1987 gewesen sein, gab ich ein Intermezzo im Chez Konrad am Adenauer Platz und hatte ein Deja Vu. Die furchteinflößende Riesin vom Anfang beugte sich auch über mein DJ-Pult und befahl mir Al Jarreau zum Abfunken. Ich sagte ihr „Hier hat es sich ausgefunkt. Probiers mal im Abraxas“.

Lage: Kantstraße Ecke Leibnizstraße
Beschriebener Zeitraum: Mitte der 80er Jahre
Typische Hits des Ladens: Alles von Al Jarreau, Montana Sextet – Heavy Vibe

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