Kino

A Woman Captured – Eine gefangene Frau

Sklaven verbindet man mit dem Römischen Reich oder den frühen USA. Es gibt sie allerdings bis heute, und zwar 1,2 Millionen mitten in Europa. Beinahe zufällig lernt die Filmregisseurin Bernadett Tuza-Ritter eine Frau in Ungarn kennen. Eta prahlt vor ihr mit ihren Bediensteten, also trifft Tuza-Ritter Edith, die bereits seit zehn Jahren bei der „Herrin“ lebt. Edith wacht auf, weil nach ihr mit ihrem Sklaven­namen „Marish“ gerufen wird. 52 Jahre ist sie alt und wirkt dabei viel älter, mit ­ihren vielen Falten und den herausgeschlagenen Zähnen.

Eta selbst darf nicht gefilmt werden, so sieht man sie, wenn sie spricht, ­entweder gar nicht oder nur ihr blondiertes Haar über schwarzem Pelz und die langen rot ­lackierten Fingernägel, mit denen sie ­ihren Chihuahua patscht. Ironie der ­Realität, dass Eta dem Klischeebild eines Bösewichts entspricht.

Foto: Partisan

Obwohl der Film eine fast fiktiv ­wirkende Dramaturgie besitzt, erscheint nichts inszeniert. Wenige, aber starke Worte werden gewechselt, Edith muss nicht viel sagen, um ihren Worten Bedeutung zu verleihen. Sie wird als Opfer nicht bloßgestellt, im Gegenteil: Ihre emanzipatorische Freiheitsfindung inspiriert, als starke und immer stärker werdende Figur kämpft sie sich aus ihrem Unglück heraus. Beinahe surreal erscheint einem am Ende plötzlich das eigene Leben, nachdem man eingetaucht ist in diese Albtraumwelt von nebenan. Lucia Müller

HUN/D 2017, 89 Min., R: Bernadett Tuza-Ritter, Start: 11.10.

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A Woman Captured – Eine gefangene Frau

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