Kino

Acid

Morgenstund’ hat Gold im Mund, sagt man, aber das Leben kommt oft ­anders, als man so sagt, und bei Petya kommt zur Morgenstunde Säure in den Mund.  Das titelgebende, ätzende Acid. Es war ja auch eine harte Nacht: Sex zu viert. Davor war einer, von Petya ermuntert, vom Balkon gesprungen. Da kam es ­gerade recht, dass diese befreiende, weil zum Schweigen verdammende ­Säure im Atelier rumstand, die der schwule Konzept­künstler Vasilisk ansonsten dazu verwendet, die Sowjet-Skulpturen seines Vaters zu ruinieren – um sie dann gewinnbringend zu verhökern. Petyas bester Buddy Sasha, auch gerade mit der Schule fertig, reißt sich den Arsch auf, um Petyas Seelenheil zu retten, wenn er nicht mit der minderjährigen Schwester seiner ­Freundin Liebe macht – während Sashas Mama und Oma mutmaßen, dass Sasha schwul ist.

Im Acid-Atelier: Petya (Aleksandr Kuznetsov)

Der vom Schauspieler zum Regisseur gereifte Aleksandr Gorchilin, 27, ist ein Wundertalent und vielleicht der nächste Xavier Dolan. Das hat auch sein Mentor, der russische Theaterregisseur und Putins Staatsfeind, Kirill Serebrennikov, erkannt.  Gorchilin hat ein exzellentes Gespür für Licht und Bildausschnitte, für Komik im Drama, für Lethargie und schöne Menschen in unschönen Lagen. Szenerien in Russland, die sich, nicht nur ob der wummernden Clubmomente, auch sehr nach Berlin anfühlen: trostlos, geil, mutig – mitunter beklemmend, gerade angesichts all dieser Freiheit.

RUS 2018, 98 Min., R: Alexander Gorchilin, D: Filipp Avdeev, Aleksandr Kuznetsov, Start 1.8.

Im Kino:

https://www.zitty.de/event/kino/acid-2019/