FESTIVAL

After Europe

Der Kolonialismus lebt als Fundament europäischen Denkens fröhlich weiter. Beim Festival „After Europe“ geht’s um Strategien dagegen

Lebendiges Archiv kolonialen Erbes: Ensemble Hajusom – Foto: Arnold Morascher

Der Kulturwissenschaftler Julian Warner hat sich als Ethnograf eine ganz besondere Feldforschung vorgenommen. Er untersucht, wie sich ­anti-rassistische Kritik in der Freien ­Szene und im Stadtthea­ter in Deutschland strukturell formt und festigt und welche Rolle Schwarze Kulturarbeiterinnen dabei einnehmen oder ihnen zugestanden wird. Schon klar, da gibt es noch viel zu tun.

Für die Sophiensaele hat Warner nun ein Festival kuratiert, das den europäischen Blick auf die derzeit in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft diskutierte eigene koloniale Verstricktheit aufsprengen will. Denn der Blick ist getrübt. Als Fundament lebt die koloniale Sichtweise bewusst oder unbewusst im europäischen Denken weiter und ermöglicht eine polizeiliche Praxis wie das Racial Profiling, aber prägt auch ästhetische Konzepte und Präferenzen wie etwa den White Cube in der Kunstszene.

Das Festival ­„After Europe“ versucht, in Lectures, Performances und Installationen internationaler Künstlerinnen und Denker*innen den privilegierten eurozentrischen Blick von Kunst und Wissenschaft zu weiten. Mit dabei sind unter anderem der kenianische Storyteller Ogutu Muraya, der nigerianisch-britische Performer Igbálè, die afrodeutsche Choreografin und Tänzerin Joana Tischkau, das transnationale Hajusom-Ensemble mit der Performance „Azimut Dekolonial / Remix“ sowie die Geflüchteten der *founda­tionClass an der Kunsthochschule Weißensee. -ICKE

9.–13.10., Sophiensaele, Sophienstr. 18, Mitte, Eintritt 15, erm. 10 € oder frei
sophiensaele.com/de/festival/after-europe