Filmkunst

Ahmed Ghoneimy

Fische putzen, Familien ernähren: Der Filmemacher aus Alexandria thematisiert Männerrollen

Was tun die da? Aus Ahmed Ghoneimys Videoloops über Männeralltag
Foto: Courtesy Ahmed Ghoneimy

Längst haben internationale Frauenrechtsorganisationen den arabischen Raum als Negativbeispiel für die Rolle von Frauen ausgemacht und sich die Bekämpfung entsprechender Missstände zum Ziel gesetzt. Doch zeigt eine Studie von 2017, für die im Auftrag der Vereinten Nationen und der NGO Promundo rund 10.000 Männer und Frauen befragt wurden, dass das Patriarchat auch Männern Druck macht: Es überfordert sie. Junge Männer sind in arabischsprachigen Ländern von hoher Arbeitslosigkeit betroffen und sollen dennoch ihre Familie ernähren.

Ahmed Ghoneimy, Filmkünstler aus Alex­andria und Stipendiat der KfW Stiftung, thematisiert die Männerrollen jetzt im Künstlerhaus Bethanien. Er zeigt Alltagsszenen aus der Perspektive eines Jungen, in einem Loop aus Impressionen direkt auf die Wand projiziert. Vermeintlich grenzenlose Freiheiten, versinnbildlicht von Küsten und Bergen, stehen stereo­typen Rollen gegenüber. So kann man beo­bachten, wie dem Jungen in Aussicht auf den Fisch, den er auf dem Wochenmarkt ausnehmen soll, die Gesichtszüge entgleiten. Das Screening auf drei Leinwänden fordert den Besucher dazu auf, das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Die fragmentarischen Szenen lassen erahnen, mit welchen Erwartungen das Kind sich konfrontiert sieht – ein Ausgangspunkt für seine Reise ins Ungewisse.

Bis 11.2.: Künstlerhaus Bethanien, Kottbusser Damm 10, Kreuzberg, Di–So 14–19 Uhr

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