Meine Beene, meene Beine

Ahne

Interview mit Ahne über seine Dialoge mit Gott, religiöse Fundamentalisten, Mundartliteratur und Heimatabende

Wer bisher dachte, nur der Papst hätte einen direkten Draht zu Gott, der irrt sich. Immer sonntags bei den Surfpoeten und immer Mittwochabend auf Radio 1 quatscht Ahne mit dem Allmächtigen. Und beide berlinern dabei, dass sich die Balken biegen. Beide sind Nachbarn im Prenzlauer Berg und haben dementsprechend viele gemeinsame Themen: Masturbation, Darmwinde, Parkraumbewirtschaftungsautomaten, Facebook, Hartz IV, Stress mit dem Nachbarn. Der Schöpfer ist mit seiner Schöpfung nicht mehr so richtig zufrieden und Ahne muss oft genug als Stimme der Vernunft wirken. Das klappt live übrigens besser als im Radio oder im Buch, wo man Ahne und Jehova schwer auseinander halten kann. Wenn der Papst clever ist, trifft er sich bei seinem Besuch im September mal mit Ahne und lässt sich Tipps für den Umgang mit Jahwe geben.

Ist Gott eigentlich Ostberliner?
Ich glaube nicht an Gott als eine höhere Person, aber er behauptet ja von sich, dass er schon lange da war, bevor es überhaupt Osten und Westen gab, dass er da schon in der Choriner gewohnt hat.

Aber er berlinert.
Ja, na klar.

Und die Inspiration für Ihre Geschichten passiert beim Einkaufen oder „Abendschau“ gucken?
Überall. Beim Zeitung lesen, auf der Straße herumlaufen, verrückte Aufkleber angucken, durch Träume …

Träume?
Als gläubiger Mensch würde man jetzt sagen, die kennt Gott doch schon. Ja, er kennt das alles, aber er stellt sich noch mal absichtlich dumm. Er muss ja auch eine Konversation pflegen, die dann nicht gleich abgebrochen wird, weil der andere sich unterlegen fühlt.

Haben Sie manchmal Angst, dass religiöse Fundamentalisten die Zwiegespräche mit Gott in den falschen Hals kriegen?
Ich habe schon Begegnungen mit solchen Leuten gehabt, die zu mir kamen und mich ultimativ aufgefordert haben, das einzustellen oder wenigstens – das hat ein islamischer Fundamentalist mal gesagt – dass ich doch ein „Karel“ vor das Gott setzen könnte, dann wäre das alles nicht mehr so schlimm. Aber dann wäre ja auch der Witz weg.

Bleiben solche Diskussionen auf der argumentativen Ebene?
Bisher ist zum Glück alles friedlich geblieben. Es gab mal Zeugen Jehovas, die auf der Buchmesse an den Stand gekommen sind und gefordert haben, dass meine Bücher entfernt werden.

Da ist nichts, was Sie so bewegt hat, dass daraus eine Geschichte wurde?
Texte habe ich über diese Situation noch nicht gemacht. Obwohl, es wäre doch ein klassischer Satz: Ahne, wir wollen mit Ihnen über Gott reden. Die Zeugen Jehovas haben neulich bei uns geklingelt und gesagt, die Computer würden die Welt vernichten.

Sie sind einer der wenigen Schriftsteller, die die Berliner Mundart benutzen. Sehen Sie sich da in einer Tradition?
Ich muss ehrlich sagen, als ich damit anfing, kannte ich niemanden, der die Mundart so benutzt hat. Deshalb kann ich mich auch nicht in einer Tradition sehen. Wenn, dann sehe ich da eher eine Ähnlichkeit zu den bayerischen Kabarettisten wie zum Beispiel Karl Valentin, wo ich den Dialekt sehr schön fand. Ich finde Mundart generell schön, egal welche es ist.

Sie benutzen keine Lautschrift sondern ganz normale Orthografie, ist es schwierig, Mundart so darzustellen?
Es ist manchmal schwierig, vor allem, wenn man englische Worte in Lautschrift wiedergibt oder auch slawische Sprachen.

Schauen Sie nach, wie Sie es vorher geschrieben haben?
Eigentlich nicht. Das macht der Verlag, der dann fragt, ob er es angleichen kann, weil ich Worte manchmal unterschiedlich schreibe. Das finde ich aber gar nicht so gut, weil man in der Mundart Worte auch unterschiedlich ausspricht, deshalb kann es in der Buchstabensetzung variieren. Man sagt manchmal eene und manchmal eine. Das kommt oft auf die folgenden Worte drauf an. Meene Beene wird oft geschrieben, wenn es ums Berlinerische geht, aber der Berliner würde meine Beene oder meene Beine sagen.

Es gibt oft Diskussionen, heißt es dit oder det oder dette?
Heute sagt man meistens dit statt det. Das Berlinerische hat sich aber auch verändert. Ich habe in Schweden mal einen alten Berliner kennen gelernt, der schon seit 30 Jahren dort lebte und kaum mehr Deutsch konnte. Aber nach einigen Bierchen hat er angefangen zu berlinern, da hat man gemerkt, dass sein Berlinerisch vollkommen anders war als meins, halt noch das 50er Jahre Berlinerisch, das war deutlich anders.

Ihre Geschichten sind quasi Zeitdokumente?
Letzten Endes sind alle schriftstellerischen Versuche Zeitdokumente.

Bei der zitty Leserlounge treten Sie mit Fil und Toni Mahoni auf.
Und mit Zuckerclub und mit Jan Koch.

Was darf man von der Leserlounge erwarten? Wird es ein Heimatabend? Sehr Berlinerisch?
Es wird zwangsläufig sehr Berlinerisch, weil alle, die da mitmachen, in Berlin wohnen. Ich werde sicherlich mit Gott zusammen vorher überlegen, welche Zwiegespräche wir vorlesen. Toni Mahoni wird auf jeden Fall mit großer Band auflaufen.

Sind die Geschichten wahr?
Ja, alle. Es geht ja hauptsächlich um Sachen, die wir denken, manchmal machen wir auch was, das ist dann natürlich alles wahr.

Weitere Informationen: Ahne: „Zwiegespräche mit Gott: Unser täglich Brot“. Voland & Quist, Berlin/Leipzig 2011. 140 Seiten + CD, 14,90 Euro

Die Lesung findet am 25.8. um 19.30 Uhr auf dem Badeschiff an der Arena, Berlin-Treptow, statt. Der Eintritt kostet 15 Euro im Vorverkauf und 18 Euro an der Abendkasse