Gentrifizierung

Aktionswoche in den Uferhallen

Künstler und Künstlerinnen machen auf die Pläne eines Investors für die Uferhallen Wedding aufmerksam: mit einer Großausstellung und Veranstaltungen

Bilder

Wen für was? Oder: Was für wen? So flattern die Worte auf den weißen Flaggen, die Peter Dobroschke und Stefan Alber an der Pforte der Weddinger Uferhalle gehisst haben. Seit 24. August machen die hier arbeitenden Künstler und Künstlerinnen mit einer Aktionswoche auf die unsichere Zukunft des Studioareals aufmerksam. Offene Ateliers und eine Ausstellung in Höfen und Hallen, an der rund 65 Künstler*innen teilnehmen, geben Aufschluss, wer hier an was arbeitet. Führungen leiten Besucher und Besucherinnen über das Gelände. Bekannte Künstler*innen sind unter den hiesigen Mieter*innen:  John Bock und Maria Eichhorn, die beide an mindestens einer Documenta teilnahmen, auch Monica Bonvicini, vielfache Teilnehmerin der Venedig-Biennale und Kunstprofessorin in Berlin.  Und wer in eines der Ateliers schaut, stellt schnell fest: manche sind in einem Top-Zustand, der den für das Areal zuständigen Denkmalschutz begeistern müsste. So hat eine Mieterin eine Fensterwand aus den 20er-Jahren freigelegt, ihr Flur punktet mit originalen Einbauschränken aus Massivholz, in dessen Schlössern filigrane Schlüssel stecken. Andere Ateliers müssten dringend saniert werden.

Doch die Zukunft des ehemaligen BVG-Geländes ist ungewiss. Eine Investorenfirma namens Augustus Capital, hinter der unter anderem Alexander Samwer von dem Samwer-Brüder (Rocket-Internet) stecken soll, hat üppig Anteile an der Uferhallen AG gekauft und will hier bauen lassen. Und zwar so, dass sich die Nutzfläche von derzeit rund 14.000 Quadratmetern nahezu verdoppelt. Das geht nur, wenn Lücken geschlossen werden und in die Höhe gebaut wird. Für die Mieter*innen ein Schreckszenario, nicht nur, weil sie den künftigen Mietpreis, eine Dauerbaustelle und weniger Licht in den Arbeitsräumen fürchten. Sondern auch, weil ihnen bisher inakzeptable Ersatzräume angeboten worden sein sollen: Der Haupteigentümer habe den Mieter*innen angeboten, in der ehemaligen Buswartungshalle Kojen zu beziehen, sagt Dobroschke, der auch zu den Sprecher*innen der Künstler*innen zählt.

Ähnlich wie auf einer Messe würde es in der Halle zugehen:  lärmende Bilderhauer*innen, Konzeptkünstler*innen, Maler*innen mit Farbdämpfen, Video- und Performancekünstler*innen – alle in einer einzigen offenen Situation. Entschieden ist noch nichts, bis Ende 2020 gilt ein Moratorium. Derzeit wird verhandelt: mit dem Bezirk, vertreten durch Ephraim Gothe (SPD), den Stadtrat für Stadtentwicklung, Denkmalpfleger* innen, den Investoren, dem Architekturbüro Ortner + Ortner sowie Delegierten der Künstler*innen. Wie eine Beschwörungsformel steht in gelben Farblettern auf dem Hof: „Profit ist egal“.

Doch das ist er ja nicht. Erst im August mussten in Pankow die Künstler*innen, die in der ehemaligen Australischen Botschaft arbeiteten, ihre Ateliers räumen: Sie hatten nicht mitbieten können, das Gebäude mit dem großen Garten hat der Humanistische Verband gekauft, der dort unter anderem einen Kindergarten einrichten will. Und auch in der Künstler*innenschaft war Profit nicht egal: Die Anteile konnten nur an den neuen Investor gelangen, weil Eigner der Uferhallen AG ihre Anteile verkauften.

Das Kapital mit den Mitteln des Kapitals zu schlagen, war eine nette Idee, funktioniert hat sie in diesem Fall nicht. Jetzt werden an der Uferstraße wieder Stimmen laut, die eine Genossenschaft oder einen langfristigen Erbpachtvertrag fordern. Wie sie die Tänzer*innen in den Uferstudios auf der anderen Straßenseite erwirken konnten.  Im September sollen die beteiligten Seiten wieder am Verhandlungstisch zusammenkommen.

Am Sonntag, den 1. September, bieten die Künstler*innen noch einmal Führungen durch Ausstellung und Ateliers an, mit Musik von gamut inc und Van Urrgh soll die Aktionswoche ausklingen.

Bis 1.9., Uferhallen, Uferstr. 8, Wedding, tägl. 16-20 Uhr