Berlinopolis

Alexanderplatz

An dieser Stadt haben sich schon viele versucht: Könige und Kaiser, Nazis, Kanzler und Bürgermeister – immer getrieben von der Sehnsucht nach Größe. Trotzdem ist Berlin bis heute nicht fertig. Überall Baustellen, überall neue Areale. Was wird daraus? Ein Blick auf die Hauptstadt der Zukunft, wenn der Größenwahn gesiegt hat

Der Ort
Der Alexanderplatz, für Nicht-, Neu- und Ur-Berliner jovial der „Alex“, ist beinahe so etwas wie das mythische Zentrum der Stadt. Schuld daran mag Alfred Döblin sein, der mit seinem Klassiker „Berlin Alexanderplatz“ das Bild von der großstädtischen Herzkammer prägte. 1929 erschien der Roman, im selben Jahr begann der Bau von Berolina- und Alexanderhaus nach Plänen von Peter Behrens – neben dem Bahnhof haben sie Krieg und Sozialismus als einzige überdauert. Heute fühlt sich der Alex leer an, er wirkt zu groß geraten und ideenlos.

Der Plan

Die Bauvorhaben gehen alle auf einen Ideenwettbewerb zurück, den der Berliner Architekt Hans Kolhoff 1993 gewann. Das sanierte Park-Inn-Hochhaus, das Haus der Statistik an der Otto-Braun-Straße und das Haus des Reisens (Sharp-Hochhaus) sollen Neubauten weichen. Der Verlorenheit des Platzes setzt Kolhoff zehn Hochhäuser von 150 Metern Höhe entgegen, die sich an drei Seiten postieren. Die Wolkenkratzer werden von Sockelbauten großzügig eingefasst, die direkt an den Platz stoßen und auf Höhe der beiden Behrens-Bauten bleiben.

Der Haken
Was von dem ehrgeizigen Masterplan bislang realisiert wurde, hat viel Kritik hervorgerufen, auch die seines Schöpfers selbst. Das Einkaufszentrum Alexa nannte Kolhoff „Monstrum“, den Elektronikmarkt an der Ostseite „Katastrophe“. Tatsächlich wurden bis heute nur Sockelbauten errichtet, die Türme blieben mangels Investoren ungebaut. Berlin und seine Wirtschaft ist dem Größenwahn eben doch nicht gewachsen. Sollte der Entwurf aber nur teilweise umgesetzt werden, bliebe der Alexanderplatz das, was er heute schon ist: Flickwerk.

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