Berliner Museen

Alexandra Ranner im Georg Kolbe Museum

Alexandra Ranner zeigt in ihrer ersten Berliner Museumsschau tragikomische Situationen und spielt mit Johann Sebastian Bach

Alexandra Ranner, Georg-Kolbe-Museum. Foto: Sid Gastl

Alexandra Ranner, Professorin für Plastische und Räumliche Gestlatung an der UdK Berlin. Foto: Sid Gastl

Es ähnelt einer Garten­laube, doch im Inneren tut sich Befremdliches: Durch die Fensterschlitze des Häuschens sieht man einen Kopf im Wasser. „Ich habe genug“, besingt der geöffnete Mund die desolate Situation. Die Bach-Kantate füllt Alexandra Ranners gleichnamige Raum-Film-Installation mit Endzeit-Atmosphäre.
Im Georg Kolbe Museum erwartet die Besucher noch mehr surreale Spannung. Die 49-jährige Berliner Professorin für Plastische und Räumliche Darstellung an der Universität der Künste baut vor allem Räume mit existenzieller Symbolkraft. Oft sind diese begehbar wie das mit Teppich ausgelegte „Schlafzimmer“. Ihr jüngstes Werk „Flur“ entstand für diese erste museale Soloschau. Es zeigt eine scheinbar aussichtslose Situation: Menschen taumeln lethargisch durch einen Gang, mal schluchzt einer, ein anderer kollabiert. Dass der Betrachter angesichts der Agonie des Seins keine Depression bekommt, dafür sorgt ein dezenter Humor des Absurden wie im tragikomischen „Silencio Súbito“.

Hier flucht der Protagonist in bayerischer Mundart: ein Isolierter, dessen Situation schon durch diese lustig klingende Artikulation ausweglos anmutet. Die beklemmenden Räume hinterlassen nicht nur ein mulmiges Gefühl, sondern faszinieren durch ihre Abgründigkeit. 

Bis 8.1.: Georg Kolbe Museum, Sensburger Allee 25, Charlottenburg, Mo–So 10–18 Uhr, 24., 25. + 31.12.2016 geschl., 7/5

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