Meerdrama

Alice und das Meer

Nüchternes Drama über eine Frau ­allein unter Seemännern

Haben Seeleute wirklich eine Braut in ­jedem Hafen? Und wenn ja, was ist ­daran so erstrebenswert? Die Regisseurin Lucie Borleteau geht diesen Fragen in ihrem

ZITTY-Bewertung: 5/6
ZITTY-Bewertung: 5/6

­ersten langen Spielfilm in übertragener Weise nach. Die 30-jährige Alice (Ariane Labed) ist Schiffsmaschinistin. Als sie auf dem Frachter Fidelio anmustert, ist sie die einzige Frau an Bord.
An Land hat Alice eine frische Liebes­beziehung mit dem Norweger Felix ­(Anders Danielsen Lie). Doch zur See zu fahren, das bedeutet: Fernbeziehung über Monate hinweg, auf Reisen, die von Börsen­kursen bestimmt quer über alle Ozeane führen. Kann man in dieser Zeit die Bedürfnisse der Seele und des Körpers voneinander trennen? Zwar heißt das Schiff Fidelio, doch mit der Treue, vor ­allem der sexuellen, nehmen es die Seeleute nicht so genau. Auch Alice nicht.

Kann man in dieser Parallelwelt treu sein?, Foto: Film Kino Text

Es ist eine sehr eigene und auch ein ­wenig mysteriöse Welt, die Lucie Borleteau hier recht nüchtern inszeniert, ein Alltag der unausweichlichen Nähe bei gleichzeitiger Distanz. Eine Welt, in der Porno­gucken und Karaokesingen den Aberglauben und die Ängste nur notdürftig übertünchen. Wie lange wird die Beziehung von Alice und Felix halten? Zumal Felix von Alices Verhältnis mit dem Kapitän Wind ­bekommen hat, auf Distanz geht und sich Bedenkzeit erbittet. Land und Meer scheinen hier unvereinbar.

„Fidelio, l’odyssée d’Alice“, F 2014, 97 Min., R: Lucie Borleteau, D: Ariane Labed, Melvil Poupaud, Anders Danielsen Lie

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