Kino

All My Loving

Julia und ihr Mann Christian fahren nach Italien, das Paar will sich Zeit nehmen, füreinander. Doch dann entdeckt Julia einen Hund, der Fürsorge braucht, von nun an zählt nur noch dieses Tier. Später erfährt man, dass es mit dem Helfersyndrom von Julia eine besondere Bewandtnis hat.

Julias Bruder, der Pilot Stefan, hat ein gesundheitliches Problem, er darf nicht mehr fliegen, will aber nicht von seiner Rolle (und seinem Image) lassen. Der andere ­Bruder ­Tobias will endlich seine Doktor­arbeit schreiben, muss aber den kranken Vater besuchen.

Foto: Port Au Princes Pictures/Jens Harant

Wenn man über 40 ist, dann stellt sich, so Regisseur Edward Berger, „ein Grundgefühl ein: dass Entscheidungen irgendwann Konsequenzen haben, dass sie jetzt Tragweite bekommen, nicht mehr rückgängig zu machen sind. Ab einem gewissen Alter bekommen sie eine gewisse Wucht. Plötzlich gehört man selber zur ältesten Generation. Niemand ist mehr da, den man um Rat fragen kann. In diesem Zustand sahen wir die Figuren – an einem Punkt, an dem klar wird: Ich muss jetzt was machen oder ich werde mein Leben einfach so weiterleben.“

Berger erzählt in „All My Loving“ von bürgerlichen Probleme in einer Welt, in der bürgerliche Gewissheiten fehlen: Das Drehbuch verrät ein feines Gespür für die Befindlichkeiten von Menschen, die nicht zwingend mit den Ernstfällen des Lebens rechnen mussten, und doch mit solchen konfrontiert sind. Drei Episoden und eine kleine Rahmenhandlung ergeben einen gut ausbalancierten Gegenwartsfilm, in dem die kleinen Wendungen fast stärker zur Wirkung kommen als der große Bogen. 

Berger lobt die Darsteller: „Bei Lars Eidin­ger hat sich herausgestellt, dass er eine ganz ­tolle Unbeobachtetheit hat. Er merkt gar nicht, dass die Kamera da ist. Für mich ist er der beste Schauspieler seiner ­Generation, und dabei nicht gefällig. Bei Nele Mueller- Stöfen haben wir das ursprünglich nicht so geschrieben, dass das eine tolle Rolle für sie sein sollte. Es hat sich dann aber beim gegenseitigen Vorlesen verdeutlicht, dass sie da die Richtige ist. Beim Drehen ging sie mit einem wahnsinnig großen Mut an die Figur. Hans Löw haben wir gecastet, er spielt den Tobias. Ich habe mit dem Kameramann ein Zeichen ausgemacht, wenn er ihm auch gefällt, soll er es mich wissen lassen. Das Zeichen kam ganz schnell. Hans kann alles natürlich klingen lassen. Er ist wie du und ich und wahnsinnig sympathisch.“

D 2019, 116 Min., R: Edward Berger, D: Hans Löw, Lars Eidinger, Nele Mueller-Stöfen

Infos und Termine

https://www.zitty.de/event/kino/all-my-loving/