Drama

Aloys

Georg Friedrich brilliert als ­skurriler Privatdetektiv, der alsbald selbst ­verfolgt wird

ZITTY-Bewertung 6/6
ZITTY-Bewertung 6/6

Leute beobachten, ihre kleinen ­Betrügereien offenbaren – Aloys Adorn lebt davon. Mit ­seinem Vater hat er eine Detektei in einer ­tristen 70er-Jahre-Betonsiedlung ­betrieben. Nun ist der alte Herr gestorben, und Aloys setzt dessen Trott fort. Diszipliniert, wortkarg und keinesfalls glücklich.

Aloys
ALOYS by Tobias Noelle / Georg Friedrich as Aloys ©Hugofilm / Simon Guy Faessler

Er hält ­wenig von seinen Mitmenschen, verweigert jeglichen Kontakt, Bis man ihm seine heiligen ­Videobänder klaut und Aloys plötzlich ­Anrufe von einer jungen Frau bekommt, die ihn viel besser kennt als ihm lieb ist. Der Österreicher Georg Friedrich, gern abonniert für derbe, schräge Rollen, brilliert in dem kammerspielartigen „Aloys“ des Schweizers Tobias Nölle als fader ­Zeitgenosse. Glücks­ansprüchen verwehrt er sich, trotzdem hat ihn die unbekannte Anruferin bald am ­Haken, als sie ihm ein mysteriöses Telefonwandern vorschlägt, bei dem man sich nur in Gedanken begegnet – falls man genug Fantasie hat.

Einfach den Kopf an die Wand lehnen, tief in sich hinein und den Hörer lauschen, schon steht man im feuchten knisternden Wald. Zwei Außenseiter haben sich gefunden. Schnell verstricken sich beide in ein immer obskurer werdendes Geflecht aus Imagination und Realität – bis sie fast in der „falschen“ Welt stecken bleiben. Subtil legt Tobias Nölle diese Grenzverschiebungen an, fokussiert sich auf bestechende Bilder und ein hyperreales Sounddesign. Dadurch entwickelt „Aloys“ einen faszinierenden Sog, der die Detektivgeschichte ausblendet, wenn das gegenseitige Erkennen zweier Sonderlinge erwacht.

CH 2015, 90 Min., R: Tobias Nölle, D: Georg Friedrich, Tilde von Overbeck

https://www.zitty.de/event/drama/aloys/

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