Kino

An den Rändern der Welt

Dokumentarfilm

Wie sieht das Leben der letzten Urvölker in Zeiten der Globalisierung aus? Wie behaupten sie sich gegen Industrialisierung und das stetige Schrumpfen ihres Lebensraums, wie passen sie sich an – und gibt es überhaupt noch Völker, die sich der westlichen Zivilisation entziehen können?

In seinem bewegenden Dokumentarfilm porträtiert Thomas Tielsch die Reise des Fotografen und Umwelt-Aktivisten Markus Mauthe, der einige der letzten indigenen Völker rund um den Globus besucht. Der Weg des Fotografen beginnt bei den Stämmen im Südsudan, führt weiter in das benachbarte Äthiopien bis hin zu den Seenomaden in Malaysia und endet schließlich in Brasilien und dem Amazonasgebiet. Die Vielfalt dieser Länder zeigt sich nicht allein in dem beeindruckenden Bildmaterial der Naturaufnahmen, sondern besonders in den Porträts der Stämme.

Im Mittelpunkt steht die Frage: Ist in Zeiten der Globalisierung der Erhalt der Minderheit und ihrer Traditionen wichtiger oder ein besseres, moderneres Leben für ihre Mitglieder? Die Antworten darauf fallen sehr unterschiedlich aus. Während die Bajau in Indonesien ihr ursprüngliches Lebens als Seenomaden gegen ein Leben an Land eingetauscht haben, gelten die Awá im Amazonasgebiet bis heute als die „Unkontaktierten“, und selbst Mauthes Kamerateam vermag es nicht, mehr als ihre Spuren im Unterholz vor die Linse zu bekommen. Dass sich Mauthe bereits seit vielen Jahren mit dem Alltag der Indigenen auseinandersetzt, zeigt sein unvoreingenommener Blick fürs Detail: Stammesmitglieder berichten sowohl von Einzelschicksalen als auch den rasend schnellen Veränderungen, die ihr gesamter Stamm durchläuft – aufgrund von Waldrodungen, Klimawandel und der Bebauung ihres Lebensraums. Der Film zeigt eine Mischung aus harter Realität und der Poesie uralter Kulturen, oftmals untermalt von einer philosophischen und wehmütigen Note.

D 2018, 90 Min, R: Thomas Tielsch, Start: 1.11.