Kino

Angelo

Circa 1721 ist er geboren: der Sklave, der von einer Gräfin am Wiener Hof gekauft, auf den Namen Angelo Solimon getauft und zum so genannten „Hofmohr“ wurde. Eine seltsame Geschichtsepisode hat der österreichische Regisseur Markus Schleinzer („Michael“) ausgegraben, die so deutlich ein Spiegel für die Gegenwart ist, dass er wenig mehr tun muss, als sie getreu den verbrieften Tatsachen nachzuerzählen.

Angelo
Angelo
Foto: Gramdfilm

Fünf Schauspieler schlüpfen in die Rolle des Angelo, dessen Aufwachsen und Leben am Hof betont emotionslos in meist starren Einstellungen nachgezeichnet wird. Als Kind ist Angelo kaum mehr als Spielzeug für die Hofdamen, wächst zum geschätzten Gesellschafter des Kaisers heran, setzt seine Position jedoch aufs Spiel, als er mit einer (weißen) Frau anbändelt. Nach seinem Tod endet Angelo als Exponat im Naturkundemuseum.

Vom Blick auf das Exotische erzählt Schleinzer, vom Umgang mit Menschen aus anderen Regionen. Also genau davon, was die westlichen Gesellschaften auch in der Gegenwart verstärkt diskutieren. Ein Bezug, der durch Anachronismen angedeutet wird: Wenn Angelo etwa anfangs untersucht wird, befindet man in einer Halle, deren Stahlstreben andeuten, dass es sich um eine moderne handelt. Was man mit diesen Bezügen macht, bleibt dem Zuschauer überlassen, Schleinzer bleibt kühler Beobachter, der nichts erklärt, sondern nur zeigt.

A 2018, 111 Min., R: Markus Schleinzer, D: Jean-Baptiste Tiémélé, Alba Rohrwacher, Christian Friedel, Start: 28.11.