Tiere

Animal Lovers und Andreas Greiner

Auf Augenhöhe: Tiere haben in der Kunst Konjunktur. Auch in der NGBK und in der Berlinischen Galerie - dort zeigen Schauen neue Perspektiven auf Mensch und Tier

Hana Lee Erdmann: „Animal Companion“, 2015 ( Porträt der Künstlerin). (c) Hana Lee Erdmann

Als Künstlergruppe ist CMUK einigermaßen einzigartig. Der Name setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen ihrer Mitglieder: Karl, Mathias, Ute und Clara. Karl und Clara sind die beiden Grau­papageien, mit denen Mathias und Ute zusammenwohnen, das Künstlerduo Mathias Antlfinger und Ute Hörner. Antlfinger und Hörner arbeiten auch mit den Vögeln, an von den Papageien zerpickten Buchskulpturen etwa. Doch auch ohne deren Hilfe bleiben die Künstler dem Thema Tier treu. So haben sie 2012 ein Ledersofa abgezogen und aus der anonymen Tierhaut wieder ein Kalb gebaut, ein Wesen mit Gesicht.
Das Sofa-Kalb und weitere Arbeiten von CMUK sind nun in der Kreuzberger Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) zu sehen. Hörner und Antlfinger haben die Ausstellung in einer Arbeitsgruppe konzipiert, gemeinsam mit der Künstlerin und Autorin Mareike Maage, der Philo­sophin Friederike Schmitz sowie Anne Hölck, Szenografin und Kuratorin. „Animal Lovers“ heißt die Themenschau, die ab 15. Oktober neue Perspektiven im Verhältnis zwischen Mensch und Tier zeigen und diskutieren lassen soll.
Von Tieren scheint es derzeit in der Kunst geradezu zu wimmeln, jedoch nicht von quicklebendigen, wie noch 2010, als Carsten Höller den Hamburger Bahnhof mit Rentieren bevölkerte, 2012, als Pierre Huyghes dünner Hund auf der „Documenta“ herumsprang, oder 2014, als Marc Camille Chaimowicz Kanarienvögel in der Galerie Neu herumflattern ließ. Tiere sind nicht mehr nur Material oder Motiv mit Niedlichkeitsfaktor, sondern treten vielmehr als Individuen oder gar als Akteure auf.
Bei Andreas Greiner, dem diesjährigen Gewinner des Gasag-Kunstpreises, ist es der Hybrid-Masthahn Heinrich, dem der Künstler ein neues Leben auf einem Kleintierbauernhof schenkte: als lebende gefiederte Skulptur. Dort starb Heinrich wenige Mona­te später, lebte damit jedoch gewiss länger, als er es in der Mastanlage getan hätte. Seinen überzüchteten, in Massen gehaltenen Artgenossen schenkte Greiner außerdem ein Denkmal, ein deckenhoch vergrößertes Skelett aus dem 3D-Drucker.
Und in der Galerie Meyer Riegger sind derzeit brancusihafte Säulen zu sehen, die Björn Braun gemeinsam mit Mäusen, Raben, Würmern, Elstern und Kaninchen geschaffen hat. Der Künstler hatte Kartoffeln, Äpfel und Rettiche im Tiergarten ausgelegt und von den Tieren mit Zeichen versehen, also anknabbern lassen, die Früchte eingesammelt, in Zinn, Polymerbeton und Gips abgegossen und zu Säulen aufgetürmt.
Mit ihren Gegenbildern zur anthropozentrischen Weltsicht hätten Greiner und Braun gut zu „Animal Lovers“ in der NGBK gepasst, die aber verfolgt noch konsequenter einen normativen Anspruch. „Die Arbeiten, die wir ausgewählt haben, sind allesamt vom Tier aus gedacht“, sagt Mareike Maage. Viele Künstler – und die Kuratoren sowieso – kommen aus der Tierrechtsszene oder ihre Arbeiten lassen sich in deren Sinn deuten. Bei der Auswahl der Beiträge sei entscheidend gewesen, was das Tier davon habe, ergänzt Schmitz. Spaß zum Beispiel. Dafür sorgen unter anderem die „Performances for Pets“ von Krõõt Juurak & Alex Bailey. Vom 7. bis 9. November finden diese nach Anmeldung bei Interessenten daheim statt, abgestimmt auf die jeweiligen Katzen, Hunde, Kaninchen oder Wellensittiche.

Bis 27.11.: Animal Lovers. NGBK, Oranien­str. 25, Kreuz­berg, Sa–Di 12–19, Mi–Fr 12–20 Uhr
Bis 6.2.2017: Andreas Greiner. Berlinische Galerie, Alte Jakobstr. 124–128, Mi–Mo 10–18 Uhr, 10/erm. 7 €, bis 18 J. frei

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