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Annelies

Was ist das?

Ein Brunchladen. Aber einer, der auf das übliche Avocado-­Einerlei verzichtet. Der eine ­kulinarische Haltung hat hinter all dem Hype. Verantwortlich für das Annelies am Görlitzer Park sind die Macher des District Coffee in Mitte. Die Raumgestaltung ist schlicht, das Personal aufrichtig herzlich.

Wie schmeckt das?

Annelies
Foto: Clemens Niedenthal

Fast so, als hätten die wunderbaren Lode & Stijn jetzt auch zum Lunch geöffnet. Zumindest, sobald der Deichkäse über einen qualitativ eindrücklichen, weil knackigen und ­geschmacksintensiven Kopfsalat gehobelt wird. Dazu noch Leinsamen und ein reduziertes, dezent säuerliches Dressing, mehr braucht es nicht für eine zeitgenössische, ­engagiert regionale und saisonale Produktküche. Außer einer daumendicken Scheibe Sauerteigbrot. Der wohlig warme Bread Pudding kommt samt einer mit getrockenetem Himbeerpulver bestäubten Clotted Cream. Zusammen ist das süß und sauer und fett und knusprig, vor allem aber überzeugend schlüssig. Nie liegen mehr als zwei, drei, allenfalls vier Zutaten auf einem Teller, von denen jede angemessen ernst genommen wird.

Warum ist das so gut?

Die Hierarchien im kulinarischen Berlin verlaufen längst nicht mehr vertikal, sondern horizontal: Längst kann man in dieser Stadt für jedes Budget hervorragend essen – abgesehen von jenen Tellern, die buchstäblich unmoralisch günstig sind. Nur: Genau diese Teller haben lange das Mittagsgeschäft geprägt. Wer im Annelies indes 3,40 Euro für eines dieser traumhaften Crossaints aus der Albatros Bäckerei samt tagesfrischer Rhabarbermarmelade zahlt, oder 6,50 Euro für den erwähnten Salat, der wird merklich mehr als einfach nur satt. Ab Herbst sollen Pop-up-Dinner und später ein regulärer Abendbetrieb folgen.

Görlitzer Str. 68, Kreuzberg, Di-So 10-17 Uhr,  www.facebook.com/anneliesberlin