Die heiße Stadt

Anpassung und Schutz

Klimaanpassung

Waldumbau

Foto: Harald Lange / imago

Fahrgäste der S-Bahn Richtung Wannsee sehen eines der größten und zugleich unauffälligsten Klimaanpassungsprojekte Berlins: die Verwandlung des Grunewalds in einen Laubmischwald. Noch bilden die Kronen der Kiefern ein dunkelgrünes Dach und formen das Berlin-Brandenburger Landschaftsbild, das einst Maler wie Werner Leistikow in Öl festhielten. Dabei wachsen Kiefern lieber weiter nördlich. Sie stehen hier nur, weil preußisches Militär und Berliner Indus­trie rasch wachsendes Holz benötigten.
Heute wird es ihnen hier zu warm. Bereits Mitte der 80er-­Jahre haben West-Berliner Förster im Revier Wannsee ­Mischwald nachpflanzen lassen. Inzwischen bilden die rund 30 Jahre jungen Laubbäume die lichtgrüne Etage ungefähr auf halber Höhe der alten Kiefern, darunter Traubeneiche und Hain­buche, Winterlinde und Feldulme. Kiefern und Birken, die stehenbleiben dürfen, säen ihre Nachkommen selbst aus. Vor sechs Jahren dann begann das große Mischwaldprogramm der Berliner Forsten: Pro Jahr werden rund 100 Hektar umgestaltet, also 1.000.000 Quadratmeter. Rund 29.000 Hektar verwalten die Berliner Forsten insgesamt.

berlin.de/senuvk/forsten/

Risiken: langsamer wachsendes Holz, Veränderung des vertrauten Landschaftsbildes

Chancen: mehr Humus, höhere Feuchtigkeit, kühleres Mikroklima, geringere Anfälligkeit für Sturm, Waldbrand, Krankheiten und Para­siten, höhere Artenvielfalt


Klimaschutz

Berliner Stadtwerke

Fotoo: Reiner Freese / Berliner Stadtwerke

Die Stadtwerke, 2014 in Folge des knapp gescheiterten Energie-Volksentscheids gegründet, sind eine ­hundertprozentige Tochter der rekommunalisierten Berliner Wasserbetriebe. Das landeseigene Unternehmen vertreibt seit seinem Marktstart 2015 ausschließlich Strom aus eigenen, regionalen Quellen von Sonnen- und Windenergie. Externen Strom dazuzukaufen, ist ihm nicht erlaubt.
Mit seinen Projekten kompensiert es laut Eigendarstellung aktuell so viel Kohlenstoffdioxid wie „56.000 Personenflüge von Berlin nach London verbrauchen“ würden. Außerdem habe es über 40 Prozent der seit 2016 in Berlin installierten Solaranlagen errichtet. Dazu gehören Anlagen für Mieterstrom, allen voran bei kommunalen Wohnungsbaugesellschaften.

Da keine Kosten für einen dazwischengeschalteten Netz­anbieter anfallen, ist der Strom der Stadtwerke mit einem Grundpreis von 8,10 Euro monatlich sehr günstig. Trotzdem bleiben die Stadtwerke, deren Werbeverbot erst unter dem ­aktuellen Senat gelockert wurde, noch unter ihrem ­Potenzial: Sie haben nach eigenen Angaben rund 7.500 Kunden, aber derzeit die Kapazität, rund 20.000 zu beliefern. Seit Sommer 2018 können auch Brandenburger, die in der Nähe Berlins wohnen, den vor ihrer Haustür erzeugten Strom der Berliner Stadtwerke beziehen.

Risiken: Folgekosten für Berlin bei wirtschaftlichem Scheitern, Potenzial für Filz

Chancen: politischer Einfluss auf den Berliner Strommarkt, ­Startpunkt für den Weg zu einer sich selbst versorgenden ­„Energiestadt Berlin“