Attentat

Der Anschlag am Breitscheidplatz

Aktuell 13:51 Offensichtlich handelt es sich bei dem gestern Verhafteten nicht um den Täter, denn die Berliner Polizei soeben zu Wachsamkeit aufgerufen

Zwölt Tote und 52 Verletzte nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche
Zwölf Tote und 50 Verletzte nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche

Am Mittag nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz wissen wir: Es sind zwölf Menschen gestorben und rund 50 teils schwer verwundet. Wir denken an sie, ihre Freunde und Angehörigen. Wir wünschen den Verletzten, dass sie gesund werden. Den Nothelfern, Ärzten, Krankenpflegern und Polizisten danken wir für ihren schnellen, professionellen Einsatz, ihren Sprechern für die sachlichen Worte. Und all denjenigen, die sich gestern Abend auf allen Kanälen erkundigten, ob ihre Berliner Freunde, Kollegen und Verwandten in Sicherheit seien.

Wir wissen, es kann jeden treffen. Ein Kollege hätte eigentlich zu einem Pressetermin an der Budapester Straße gemusst, ist jedoch nicht hingegangen. Es sind Zufälle, die über Leben und Gesundheit entscheiden. Das kann ängstigen, weil wir nicht wissen, wo und wann und ob ein nächster Anschlag stattfindet. Gewalttäter lassen sich heute nicht mehr unbedingt in paramilitärischen Camps ausbilden, heute kann sich jeder selbst zum Terroristen machen. Angst ist berechtigt und hilft, Risiken zu vermindern. Panik und Bangemacherei dagegen sind schlechte Ratgeber, die in eine autoritäre Gesellschaft führen. Die Reaktion der äußeren Rechten war programmiert und fand sich bereits gestern in den digitalen Diensten: „zurückschlagen“ und „Kriegszustand“ lauten ihre Vokabeln. Die Opfer von Breitscheidplatz sind jedoch nicht „Merkels Tote“, sondern unserer aller, Nachbarn, Gäste, Geschäftspartner, vielleicht auch Kinder, das wissen wir noch nicht.

Berlin steht nicht „unter Schock“, wie es jetzt oft heißt. Ein Schock ist ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem die Sauerstoffzufuhr und damit das Gehirn aussetzen sowie das Herz versagen kann. Weder das eine noch das andere ist in dieser Stadt der Fall. Ein Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt findet sich seit langem unter den Szenarien der Sicherheitskräfte und ist öffentlich diskutiert worden. Wenn auch Vieles in Berlin nicht läuft – das Krisenmanagement funktioniert. Die Stimmung in den Straßen wirkt gedämpft, aber die Menschen gehen zur Arbeit und einkaufen. Die Polizei fährt vermehrt Streife. Die Generalbundesanwaltschaft @bka ermittelt. Heute um 13 Uhr äußern sich der Regierende Bürgermeister, Innensenator, Polizei und Feuerwehr zum Stand der Ermittlung. Die Reaktionen der Politiker werden sich an denen des norwegischen Ministerpräsidenten nach den Anschlägen des Rechtsextremisten Anders Brevik in Oslo und Utoya messen lassen müssen: Jens Stoltenberg verteidigte damals genaue jene offene Gesellschaft, die Brevik attackierte.

Der Mann, der gestern verhaftet wurde, sei nicht der Tatverdächtige, erfahren wir jetzt. Wer auch immer der Täter ist: Geflüchtete unter den Generalverdacht des Terrorismus zu stellen, verbietet sich genauso, wie zu leugnen, dass sich unter Geflüchteten potenzielle Attentäter finden können. Und sicher ist auch dies: Wir könnten die Weihnachtmärkte  – wie heute – geschlossen lassen oder unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen stattfinden lassen. Wir könnten die Bundeswehr die Silvesterparty am Brandenburger Tor schützen lassen. Doch solang sich die Gesellschaften zwischen Tripolis, Aleppo, Sanaa und Islamabad nicht stabilisieren können, solange Terror, Krieg und autokratische Regimes herrschen, finden diese ihr Echo in Europa.

 

Die Nummer des Hinweis-Telefons der Polizei: 030-54024111

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