Hip - Hop

Antilopen Gang

Aus der Wortspielhölle

Die Antilopen Gang hat ja das Image weg, Hip-Hop für Gutmenschen zu machen. Aber ihr jüngstes Album „Anarchie und Alltag“ ist auf Platz Eins der deutschen Charts gelandet. Das müssen doch auch paar Schlechtmenschen gekauft haben

Große Klappe, viel dahinter: Die drei Rapper Koljah, Panik Panzer und Danger Dan sind unüberhörbar politisch und spielen selbstironisch bis provokant mit dem Bild der Band in der breiten Öffentlichkeit. Der sind sie spätestens seit Ende 2014 ein Begriff. Da erschien ihr bitterböser Hit „Beate Zschäpe hört U2“.

Auf die Frage, wen die ursprünglich aus Düsseldorf stammenden Antilopen mit ihrer von linker Weltsicht durchtränkten Musik erreichen, sagt Panik Panzer: „Diejenigen, die eh schon Interesse an Musik mit politischen Inhalten haben“. Meistens sei das das Problem bei politischer Musik, da sie nicht wirklich das agitative Potential entwickele, das sie zu haben vorgibt. Das hat er ZITTY an einem kalten Spätnovembertag in einem Kreuzberger Dachgeschoss gesagt.

Zu der Zeit hatte noch niemand das zweite Album „Anarchie und Alltag“ gehört. Und die Band ahnte nicht im Geringsten (oder beteuerte dies zumindest), dass es im Januar direkt auf Platz Eins der Charts einsteigen würde. Seitdem ist die Hörerschaft noch mal ordentlich gewachsen. Ob das an den catchy Popsongs wie „Hilfe“ oder „Pizza“ liegt, dem trappigen „RAF Rentner“ oder den Raps aus der Wortspielhölle, fest steht: Die neue Platte strotzt vor Soundvielfalt und Lockerleichtigkeit, die das Debüt erst erahnen ließ. Aber leicht ging ihnen das nicht von der Hand. Inklusive Band-Krisen und Schreibblockaden war es ein Prozess, Ängste abzulegen, um auch mal moderne Drum-Ästhetiken oder Autotune-Spielereien zuzulassen. Das neue Album überrascht mit Punkrock-Abfahrten. Der Deluxe-Version liegt ein ganzes Bonus-Album bei, wofür das Trio zwölf Lieder als Punkrock-Versionen neu eingespielt hat. Dazugestoßen sind auch Bela B, Campino, Ingo Donot sowie Jan Windmeier von Turbostaat.

Reduzieren kann man sie auf die politischen Inhalte nicht: „Wir bezeichnen uns auch deshalb nicht als Politrapper, weil wir nicht das Ziel haben, bestimmte Leute zu erreichen. Dennoch beschäftigt Politik uns natürlich“, sagen sie. Früher waren sie Nichtwähler aus Ratlosigkeit. Doch wo zurzeit rechtspopulistische Parteien europaweit erstarken, sei halt auch zu befürchten, dass  etwa  die  AfD  keine  temporäre  Sache  bleibt.  Panik  Panzer  und  Koljah  sind  Mitglieder der Partei „Die Partei“. Somit steht fest, was sie zur Bundestagswahl wählen.

Alle  drei  sind  oft  in  der  Stadt,  Danger  Dan  wohnt  aktuell  hier.  „Berlin  ist  immer wieder  ein  Andockpunkt  für  uns“,  gibt  Koljah an, während er sich an Konzerte im SO36,  Lido  und  Astra  erinnert.  Vielleicht  haben sie dieses Mal wieder ein Schlagzeug aus  Schrottfässern  dabei.  Denn  live  lassen  sich die Jungs immer etwas einfallen. Und ob man mit Schweinepogo zu linken  Texten  etwas  am  gegenwärtigen  Zustand verändern kann? Wenn die Platte auf die Eins einsteigt, hat man das vermutlich schon getan.

Wir verlosen 3x 2 Freikarten für das ausverkaufte Konzert von „Antilopen Gang“ am 03. März im Huxleys. Sende uns eine Mail mit dem Betreff „Antilopen“ an gewinnspiel@zitty.de.

 

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