Kino

Antiporno

Den Höhepunkt hatte die japanische Softcore-Exploitation („Pink“-Filme) in den 1970ern. Doch 2016 versuchte es das Nikkatsu-Studio mit einer „Roman Porno“ (Romantic Pornography) betitelten Serie, mit der man gewisse Erfolge feiern ­konnte – vor allem auf Filmkunstfestivals. Sion Sonos „Antiporno“ ist der vierte Film dieser Serie: ein mit geringen Mitteln gedrehtes Werk, das – um die Begrifflichkeiten gleich zu klären – weder romantisch noch pornografisch oder überhaupt irgend­wie „erotisch“ daherkommt.

Infrage gestellte Rollenbilder
Foto: One Filmverleih

Denn obwohl sich der Film an die „Pink“-Regeln – Nacktheit und simulierter Sex – hält, handelt es sich bei „Anti­porno“ eher um eine Dekonstruktion des Genres. Hier werden weibliche Rollenbilder (Jungfrau und Hure) ebenso infrage gestellt wie patriarchalisch geprägte Doppelmoral und die daraus resultierenden japanischen Fetischismen (S/M-Sex und Frauen in Schulmädchenuniformen).

Wie etwa in Filmen von Alain Resnais durchdringen sich auf verschiedenen Ebenen die Dreharbeiten zu einem Sexfilm, ein Bühnenstück und private Erinnerungen und Erfahrungen der Darstellerinnen. Räume verändern sich dabei ebenso wie das Verhältnis der beiden weiblichen Hauptfiguren zueinander, die sich in wechselnden Machtgefügen in erniedrigende Praktiken verwickeln. Das alles ist gut durchdacht, manchmal bitter-lustig, aber in seiner totalen Künstlichkeit auch etwas anstrengend.

J 2016, 76 Min., R: Sion Sono, D: Ami Tomite, Mariko Tsutsui, Sakaya Kotani, Start: 16.5.