Berlin Art Week

Plötzlich sind die Kunstmessen Nachbarn

Die beiden Berliner Kunstmessen „Art Fair“ und  „Positions Berlin“ präsentieren sich erstmals nebeneinander auf dem Flughafen Tempelhof – und beginnen, sich besser abzustimmen

Jetzt kommen die Tage des Overkills: Eröffnungen, Preisverleihungen, Messen. Wer zur siebten Berlin Art Week anreist, hat die Qual der Wahl. Berlinerinnen und Berliner können es cooler nehmen und in späteren Wochen noch zahlreiche Ausstellungen sehen.

© Flughafen Tempelhof Berlin
Gemeinsamer Ausstellungsort: Der Flughafen Berlin © Flughafen Tempelhof Berlin
Eigentlich ist der Berlin Marathon daran schuld, dass die Art Week diesmal zwei Wochen später als gewohnt stattfindet. Da die Messe „Art Berlin“ – im Jahr zwei ihrer Existenz bereits Kernstück der Art Week – noch nicht langfristig planen konnte, war zum Wunschtermin Mitte September kein Veranstaltungsort mehr zu finden. Sponsoren und Nebenveranstalter des Marathons hatten überall Räume gebucht. Erst zum Monatsende waren die Hangars des Flughafens Tempelhof für Ausstellungen frei. Die „Positions“, die zweite Kunstmesse, geriet so in Bedrängnis. Die Verträge mit der Arena in Treptow, dem Stammstandort, waren bereits unterschrieben.

„Positions“-Leiter Kristian Jarmuschek entschied dennoch, auf den späteren Termin zu wechseln, opferte den Arena-Standort und bezieht ebenfalls einen Flughafenhangar, 20 Minuten Fußweg von der „Art Berlin“ entfernt. Die gemeinsame Art Week war gerettet, die Beziehung der „Positions“ zur Arena allerdings im Eimer. Ein typisches Berliner Hin und Her.

Ein Label, viele Veranstalter

So scheint noch etwas Lokalkolorit durch, denn sonst scheint sich Vieles an die Gepflogenheiten in anderen Kunstmetropolen zu nähern. Im Mittelpunkt stehen die zwei Messen mit klassischen Kojen. Die Zeit der Experimente wie auf der „abc“, dem Vorgänger der „Art Berlin“, einer kuratierten Verkaufsausstellung, sind vorbei. Um den kommerziellen Kern drapiert sich das Art-Week-Programm, das von der landeseigenen Kulturprojekte GmbH koordiniert und beworben wird. Zu den Hauptacts zählen die Eröffnung des Palais Populaire mit der Sammlung der Deutschen Bank, die Soloschau von Lee Bul im Martin-Gropius-Bau und die Eröffnung des European Month of Photography bei C/O Berlin (ab Seite 66). Die Wiedereröffnung des sanierten Zehlendorfer Haus am Waldsee verschiebt sich indes auf Dezember – wieder ein wenig Lokalkolorit.

Die Events sollen Kunstpublikum in die Stadt und vor allem solvente Sammler und Sammlerinnen auf die Messen locken. Denn Berlin soll endlich mitspielen im Konzert der Kunstmarktzentren. Dafür sehen die Akteure gute Anzeichen. Dass die „Art Berlin“ nun konventioneller daherkommt, gefalle den ausstellenden Galerien, sagt Maike Cruse, die die „Art Berlin“ für die Koeln­messe leitet. „Das klassische Format funktioniert kommerziell einfach besser, und die Veranstaltung in diese Richtung weiterzuentwickeln, war daher der richtige Schritt zur richtigen Zeit“. Dennoch gebe es auch experimentelle Bereiche wie einen kuratierten „Salon“, in dem Galerien Arbeiten auch junger Künstler und Künstlerinnen zeigen.

Gemeinsames Gebäude, zwei Eingänge

Die Hangars von Tempelhof bieten der „Art Berlin“ mehr Fläche als zuvor der Postbahnhof am Gleisdreieck. So werden diesmal mit 120 jurierten Galerien einige mehr teilnehmen als zuvor. „Positions“-Direktor Kristian Jarmuschek dagegen scheint noch mit dem Standortwechsel seiner Messe zu hadern. „Die teilnehmenden Galerien finden es toll“, sagt er, „aber der Raum in den Hangars ist viel höher, so dass die Kunst oft ein wenig klein wirkt.“ Der neue Termin am Monatsende kollidiert mit dem der Wiener Kunstmesse, was die „Positions“ Teilnehmer unter anderem aus Osteuropa gekostet habe. Diesmal sind 74 Galerien dabei und erneut in einer Sonderausstellung Absolventen von Kunsthochschulen. Jarmuschek bedauert zudem, dass es keinen gemeinsamen Eingang für beide Messen geben wird. Aber für die Zukunft scheint sich etwas abzuzeichnen, was bisher unmöglich war: Planungssicherheit. Der Flughafen Tempelhof könnte zum festen Ort für die Kunstmessen mit ihren verschiedenen Zielgruppen werden: Während die „Art Berlin“ auf die großen, eingeführten Galerien setzt, gilt die „Positions“ eher als Messe für neue Sammler oder solche, die es werden wollen.

© Oana Popa
Die Messe Positions 2017, in der Arena in Berlin-Treptow © Oana Popa

Galerist Werner Tammen, Vorsitzender des Landesverbands Berliner Galerien (LVBG), nimmt an der „Positions“ teil. „Tempelhof ist jetzt fast aus Versehen zum zentralen Standort geworden, aber die Vorzeichen sind gut, weil es auch für die Besucher so viel praktischer ist“, sagt er. Ein ruhigeres Fahrwasser sei den Messen zu wünschen, denn langsam würde man auf dem Berliner Markt Geschäfte machen können – sogar innerhalb der Stadt. „Mit den Start-ups sind viele jüngere Leute in die Stadt gekommen, die durchaus kunstaffin sind“, sagt Tammen.

Die Berlin Art Week rutscht 2018 mitten in die weltweit bereits angelaufene umsatzstarke Herbstsaison. Künftig soll sie wieder „Auftakt in den Kunstherbst“ sein, wie Jarmuschek meint. Dann werden vielleicht die beiden Messen besser kooperieren. Ein Anfang ist gemacht. Der Flughafen Tempelhof ist groß, der Weg zwischen den Messen weit. Deshalb wird es einen Shuttle geben, ein historisches Feuerwehrfahrzeug. Das zumindest bieten Basel, Köln und Karlsruhe nicht.

Art Berlin: 27.–30.9., Flughafen Tempelhof, Hanger 5 + 6, Eingang Tempelhofer Damm 45. Fr/Sa 11–19,
So 11–18 Uhr, 18/ 12 €. Familien: 38 €. Eröffnung: 27.9., 16–20 Uhr, 36 €

Positions: 27.–30.9., Flughafen Tempelhof, Hangar 4, Columbia­damm 10, Fr/Sa 13–20, So 11–18 Uhr, 12/ 6, abends: 6 €. Eröffnung: 27.9. 17–21 Uhr, 6 €

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