Brandenburg

Auf dem Asphalt

Brandenburg ist das Land der Alleen. Um sie zu erfahren, sollte man sich nicht in ein Auto setzen,
sondern aufs Rennrad – eine Spritztour.

Brandenburg entwickelt sich zu einem gefragten Ausflugsziel für Radfahrer. Rund 200 Millionen Euro wurden in die Infrastruktur investiert, 7.000 Kilometer Radwege gebaut, unzählige Hinweisschilder aufgestellt. Mittlerweile steht Brandenburg an dritter Stelle bei den beliebtesten Bundesländern für Radreisen – hinter Bayern und Mecklenburg-Vorpommern.

Allerdings galten die Investitionen in erster Linie den Bedürfnissen der Tourenfahrer. Während diese eher abwechslungsreiche Strecke mit Kurven bevorzugen, benötigen Rennradler glatten Asphalt und fahren daher lieber auf der Straße. Dort geraten sie aber in Konflikt mit anderen Verkehrsteilnehmern. „Rennradfahren ist in Deutschland kein Volkssport, anders als in Italien oder Frankreich“, sagt Andreas Lesti. Es gebe eben nur wenige Radrennen in Deutschland. Und das schlechte Image des Radsports seit den vielen Dopingfällen tut sein Übriges.

Der Reisejournalist hat in den letzten Jahren etwa 20.000 Kilometer auf dem Rennrad in Brandenburg zurückgelegt. Seine ­Erfahrungen flossen in ein Buch. „Es gibt wenig Literatur über das Thema und die ausgeschilderten Fernradwege sind für sportliche Fahrer nur bedingt geeignet“, sagt der Autor. Feiner Zuckersand oder ein kurzer Abschnitt Kopfsteinpflaster können die Tour zur Tortur werden lassen. Aber es geht auch anders: kaum befahrene Straßen mit perfektem Asphalt, von Alleen gesäumt und mit Blick ins weite Land. Man muss nur wissen wo.

Als Einstieg empfiehlt Andreas Lesti eine Runde ab Potsdam am Templiner- und Schwielowsee vorbei, durch die schmucken Orte Caputh, Ferch und Petzow nach ­Werder. Eine leichte, hügelige Strecke mit wunderschöner Aussicht auf den See. Dann geht es auf dem Havelradweg weiter, der auf den Deich gelegt wurde. Nachteil der schönen Strecke: Auf ihr schleichen viele Radwanderer entlang, weshalb man die Geschwindigkeit drosseln sollte.

Bei Ketzin geht es mit der Fähre über die Havel und weiter auf der Paretzer Straße und Marquardter Chaussee (B 273) zurück nach Potsdam. Die 65 Kilometer schafft ein geübter Fahrer in weniger als drei Stunden.

Mieten kann man sich Rennräder bei der Fahrradstation in der Dorotheenstr. 30 oder in Potsdam in der Gutenbergstr. 52-54. Pro Tag zahlt man dafür 24 Euro.

Wer sich seiner Sache sicher ist, kann in Berlin auch maßgefertigte Rennräder kaufen. Die Radmanufaktur Pasculli stellt Rennräder in Handarbeit her, wofür dann allerdings mehrere tausend Euro zu zahlen sind. Eine Anschaffung, die sich vor allem für Vielfahrer lohnt.

Andreas Lesti „Rennradfahren in und um Berlin“, Delius Klasing, 16,90 Euro

Noch mehr schöne Radtouren für Anfänger und Profis durch Berlin und Brandenburg finden Sie im zitty Spezial Radfahren (8,50 Euro). Jetzt am Kiosk oder zum Bestellen im zitty Webshop 

Essen: Forsthaus Templin

Gleich zu Beginn der Tour lockt das Forsthaus Templin mit seinem großen Biergarten vor dem Haus. Allerdings ist eine Einkehr riskant: Die Gerichte sind äußerst schmackhaft und gehaltvoll und das selbstgebraute Biobier geht gut die Kehle herunter. Daher lieber nach der Tour einen kurzen Abstecher zum Forsthaus machen. Es lohnt sich!

14473 Potsdam, Templiner Str. 102, Tel. 033209-21 79 79, tägl. 11-22 Uhr, www.braumanufaktur.de

Kultur: Schlosspark Sanssouci

Der große Park ist ein weltberühmtes Ensemble auf 287 Hektar mit unterschiedlichen Gartenanlagen und zahlreichen Schlössern. Allen voran das Schloss Sanssouci. Friedrich der Große hatte 1744 den „wüsten Berg“ erworben, einen Hügelzug zwischen Potsdam und Bornstedt, um sich eine Sommerresidenz errichten zu lassen. Auf dem Rückweg fährt man direkt an der prächtigen Anlage vorbei und sollte zumindest für ein Erinnerungsfoto halten. Radfahren ist im Park nicht erlaubt.

14414 Potsdam, An der Orangerie 1, Di-So 10-18 Uhr

Mit dem Rennrad nach Potsdam

Trainierte Rennradfahrer nehmen selbstverständlich nicht die S-Bahn nach Potsdam, zumal es mit dem Kronprinzessinnenweg neben der Avus eine direkte rennradtaugliche Verbindung nach Wannsee gibt. Von dort fährt man weiter über die Potsdamer Chaussee oder den Europaradweg R1 am Wasser entlang nach Potsdam. Über die Glienicker Brücke geht es auf der B1 in das Zentrum der Landeshauptstadt.