Kino

Auf der Suche nach Oum Kulthum

Nach der tollen Hommage „­Maria ­by Callas“ folgt mit nun eine filmische Würdigung der ägyptischen Sängerin Oum Kulthum, die in der ­orientalischen Musikkultur einen ebenso großen Kultstatus genießt wie die Callas in der westlichen.

Die „Suche“ im Filmtitel impliziert bereits, dass es hier um mehr geht als einen konventionell verfilmten ­Lebenslauf. Dafür bietet die schillernde Biografie der 1904 geborenen und 1975 in Kairo Verstorbenen jede Menge spannende Ansätze, stand sie als die öffentlichste Frau der gesamten arabischen Welt immer wieder im Fokus und war auch mutig genug, sich mit den Herrschenden anzulegen.

Auf der Suche nach Oum Kulthum
Foto: Razorfilms

Eine wunderbare Vorlage also für eine Regisseurin wie Shirin Neshat, die bei ­ihren Inszenierungen mehr Wert auf ­visuelle Tableaus und Atmosphären legt als auf eine narrativ stringente Dramaturgie. Optisch ist der Film ein Augenschmaus, einige nachgespielte Szenen aus dem Leben der Operdiva sind atemberaubend schön.
Schade nur, dass sich Neshat mit dem Drehbuch selbst im Weg steht. Sie erfindet für den Film eine fiktive Regisseu­rin mit dem Projekt, einen Spielfilm über Oum Kulthum zu drehen. Das wirkt verkrampft und doppelt gemoppelt. Lust, die großartige Gesangskunst der Oum Kulthum zu entdecken, macht der Film aber allemal. 

„Looking for Oum Kulthum“, D/A 2017, 91 Min., R: Shirin Neshat, Shoja Azari, D: Neda Rahmanian, Yasmin Raeis, Start: 7.6.

Auf der Suche nach Oum Kulthum